Intelligent Design?

Gesendet am 28.11.2005 in dem Magazin MixUp im StadtRadio Göttingen

In der amerikanischen Kleinstadt Dover fordern Eltern per Zivilklage, dass neben der Evolutionstheorie auch die „Intelligent Design-Theorie“ gelehrt werden darf.

Auch in Deutschland werden Stimmen laut, an den Schulen sowohl die Evolutionstheorie als auch die Schöpfungstheorie im Unterricht vorzustellen.

Während in Amerika [2005] selbst der Präsident George Bush vorschlägt den Schülern unterschiedliche Ideen über die Entstehungsgeschichte zu vermitteln, ist ein solcher Vorschlag in Deutschland verpönt.

Aus wissenschaftlichen Kreisen werden Wissenschaftlern und deren Anhänger, die die Intelligent-Design-Theorie vertreten, heftig kritisiert.

Der Fall des AffenmenschenIn dem Film „Der Fall des Affenmenschen“ von Fritz Poppenberg erklärt der Genetiker Dr. Wolf-Ekkehard Lönnig den Begriff „Intelligent-Design“:

„Intelligent Design ist die Wissenschaft, die die Signale, Zeichen und Kennzeichen von Intelligenz studiert. Die Signale, Zeichen und Kennzeichen von intelligentem Wirken studiert und wir unterscheiden prinzipiell zwischen Gesetzlichkeiten, physikochemischen Gesetzlichkeiten, Zufällen und Intelligent Design. Und es gibt klare naturwissenschaftliche Kriterien mit deren Anwendung wir unterscheiden können zum Beispiel zwischen Zufall und Intelligent Design.“

Wolf-Ekkehard Lönnig selbst wird sehr heftig wegen seiner Forschungen von dem Evolutionsbiologen Prof. Ulrich Kutschera von der Universität Kassel angegriffen.

Auch der Filmemacher Fritz Poppenberg wird wegen seiner evolutionskritischen Filme heftig kritisiert. Er wird als Kreationist bezeichnet.

Ein Kreationist glaubt, dass die Erde und das Leben auf ihr innerhalb von 6 Tagen erschaffen wurde. Es handelt sich hierbei um buchstäbliche 24-Stunden-Tage.

Fritz Poppenberg selbst bezeichnet sich nicht als Kreationist.

Im letzten Jahr [2004] wurde der Film „Der Fall des Affenmenschen“ in Berlin vorgestellt.

Fritz Poppenberg berichtet in dem Film „Der Fall des Affenmenschen“ über seine Reise nach Guinea und den Versuchen eines sowjetischen Wissenschaftlers, Affenweibchen mit menschlichen Samen zu besamen:

„Aus Moskau bekam ich weitere Informationen. Danach reiste Ilja Iwanowitsch Iwanow das erste Mal 1926 nach Guinea. Dort begann er damit Schimpansenweibchen fangen zu lassen, was nicht ganz einfach war. Schließlich versuchte man einige Weibchen mit dem Sperma eines der Expeditionsmitglieder zu besamen. Der Erfolg blieb aber aus. Nun wollte Ivanov tatsächlich afrikanische Frauen finden, die sich mit dem Sperma von Schimpansen besamen ließen.

Nach dem Verbot durch die französische Kolonialverwaltung, entschlossen sich die Russen, die Schimpansen mit in die Sowjetunion zu nehmen, um dort Frauen zu finden, die für die Evolutionstheorie ein Opfer bringen würden. Doch bereits auf der Seereise starben die meisten Affen und die, die krank in der Sowjetunion ankamen, starben wenige Monate später. Übrigens wurde bei der Untersuchung der toten weiblichen Tiere festgestellt, dass in keinem Falle eine Schwangerschaft eingetreten war.

Trotzdem interessiert mich, wie die heutige Forschung den sowjetischen Kreuzungsversuch bewertet. Wir bekommen einen Termin im Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung:

`Die Wissenschaft ist natürlich in der Lage Hybride herzustellen, das ist bekannt aus der Historie bei den großen Katzen zum Beispiel. Bei den Affen ist es eine ganz spezielle Frage, weil die großen Affen, also die andern großen Primaten außerhalb des Menschen, eine vom Menschen verschiedene Chromosomenzahl haben. Und wenn man ein solches Hybrid, also die Verschmelzung der Zellkerne von Männchen und Weibchen unterschiedliche Arten, also Mensch und Schimpanse, in diesem Fall durchführen würde. Dann würden bei den ersten Zellteilungen Problem auftreten. Die sind ganz einfach darin begründet, dass wenn sich die Chromosomen bei der Zellteilung anlagern und gleichmäßig verteilen, unterschiedliche Chromosomzahlen dazu führen würden, dass eben die Zellen im sehr frühen Stadium absterben würden. Und aus dieser Sicht heraus, glaube ich nicht, dass ein solches Hybrid möglich ist.’

Ein weiteres Argument gegen die Durchführung der Kreuzung besteht laut Dr. Jörn Fickel darin, dass nicht nur die Anzahl der Chromosomen, sondern auch die Chromosomen an sich verschieden sind. Die Gene liegen auf den Schipansenchromosomen in einer andern Reihenfolge als die Chromosomen des Menschen.“

Fritz Poppenberg zeigt auch Irrtümer und Fälschungen der Wissenschaftler auf. Eine davon ist der Piltdown-Mensch:

Ein weiteres Beispiel für wissenschaftliche Irreführung stellt der sogenannte Piltdown-Fund aus England dar. Schädelfragmente, die vom Direktor des anthropologischen Instituts Sir Arthur Keith persönlich begutachtet und zusammengesetzt wurden. Etwa 50 Jahre lange wurde unser angeblicher Vorfahre, halb Affe halb Mensch in den Lehr- und Schulbüchern als Beweis für die Abstammungslehre beschrieben. Doch Ende der 1940er Jahre ergaben genauere Untersuchungen, dass der Kopf des Piltdown-Menschen aus dem Schädeldach eines heutigen Menschen und dem Unterkiefer eines jungen Menschenaffen zusammengesetzt war. Um die unterschiedliche Herkunft zu verschleiern, hatte jemand an den Zähnen herumgefeilt und die Knochen mittels chemischer Behandlung bräunlich eingefärbt. Natürlich wurde zuerst der Entdecker Charles Dawson verdächtigt, doch waren auch der berühmte Theologe und Forscher Teilhard de Chardin an de Ausgrabung beteiligt. Es gab noch einige andere Verdächtige in diesem Kriminalfall der Paläoanthropologie, doch vermutlich wird die ganze Wahrheit niemals ans Licht kommen.

Fritz Poppenberg greift eine weitere Frage auf:

Dabei ist seid Darwin die Frage nicht überzeugend beantwortet, wie ein Organ, welches nur als fertiges Organ existieren kann, sich über unfertige Stadien entwickelt haben soll.

Eines der Kriterien der Intelligent Design bezieht sich genau auf dieses Frage. Es lautet: Nicht reduzierbare Komplexität. Der Mikrobiologe Siegfried Scheerer von der Uni München erläutert, was darunter zu verstehen ist: ‚Man kann das an einem Beispiel zeigen. Das ist ein Beispiel von Prof. Michael Behe genannt wurde: Eine ganz einfache Mausefalle. Es ist einsichtig, dass eine Mausefalle aus unterschiedlichen jeweils notwendigen Strukturen besteht. Da ist ein Bügel, da ist eine Feder drin, da haben wir den Bügel, der nachher die Maus festhält und erschlägt. Da muss etwas da sein, dass das Lockmittel, den Käse oder so festhält. Jede einzelne dieser Strukturen muss da sein, muss zusammenwirken mit allen anderen. Wenn Sie eine Struktur wegnehmen, wenn sie den Bügel wegnehmen, wenn Sie die Platte wegnehmen, wenn Sie die nur die Feder wegnehmen, dann funktioniert das Ganze nicht mehr. Dieses Grundprinzip kann man zeigen an allen komplizierten organismischen Strukturen. Und man weiß nicht, welcher Prozess dazu geführt haben könnte, dass die verschiedenen notwendigen Strukturen zum gleichen Zeitpunkt da waren und ihre Funktion ausgeübt haben. Das ist einfach rätselhaft.’

Dies sind nur einige der kritischen Punkte, die Fritz Poppenberg in seinem Film „Der Fall des Affenmenschen“ aufzeigt.

Egal ob man persönlich die Evolutionstheorie oder die Schöpfungstheorie befürwortet, unser ganzes Leben und Denken wird durch die Evolutionstheorie beeinflusst.

Dies bestätigt der Biologe Dr. Henning Kahle. Er ist der Autor des Buches „Evolution – Irrweg moderner Naturwissenschaft?“:

„Die Evolutionstheorie hat den gesamten Zeitgeist des 20. Jahrhunderts geprägt und das bedeutet auch, dass diese Theorie letztlich alle Wissenschaften durchdrungen hat. Nicht nur die Naturwissenschaften, sondern auch die Geisteswissenschaften und viele gesellschaftliche Bereiche. Man könnte vielleicht verschiedene Aspekte dazu nennen. Darwin machte ja für die Erklärung der Organismenwelt kein übernatürliches Prinzip mehr verantwortlich. Der Ursprung des Lebens wurde also rein materiell, das heißt also auch ohne irgendein göttliches Einwirken erklärt. Das passte in die Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts als man sich sowieso z.B. von der Religion immer mehr abwandte oder auch ganz andere Werte wurden beeinflusst. Die Darwinschen Schlagworte sind „Survival of the Fittest“ sind gut bekannt, also das Überleben der Tüchtigsten und allein dieses Prinzip hat z.B. die Wirtschaftswelt erheblich beeinflusst, das Prinzip des ungehemmten Wettbewerbs ist dadurch stark beflügelt worden. Oder vielleicht noch ein ganz anderer Aspekt. Auch das Stichwort Sozialdarwinismus gründet sich letztlich auf die Evolutionstheorie. Und der Sozialdarwinismus hat geführt bis hin zur Rassenpolitik von Hitler und hat auch Antisemitismus begünstigt. Auch das ist wohl glaube ich keine Frage.“

Die wissenschaftliche Debatte, ob man Kritik an der Evolutionstheorie üben darf, wird sicherlich noch weitergeführt.

Kritiker werden sich weiterhin keiner Beliebtheit erfreuen.

Weiterhin wird diskutiert werden, ob man den Schülern auch die Intelligent-Design-Theorie vorstellen darf.

Mich beschäftigen derzeit auch die Fragen:

Wer legt in wissenschaftlichen Kreisen überhaupt fest, welche Theorie die Richtige ist?

Welche Motive stecken dahinter?

© Copyright Ingeborg Lüdtke

Die Verwendung der Texte aus dem Film „Der Fall des Affenmenschen“ wurden von Fritz Poppenberg freundlicherweise genehmigt.


Weiterführende Literatur:

Reinhard Junker/Siegfried Scherer: Evolution – Ein kritisches Lehrbuch
4. , völlig neu bearbeitete Auflage 1998
Weyel Lehrmittelverlag Gießen

Henning Kahle: Evolution – Irrweg moderner Wissenschaft?
4. Auflage 1999
Buchversand Edeltraut Mindt, Bielefeld

Gefälschte Daten:

http://www.sueddeutsche.de/panorama/skandal-um-anthropologieprofessor-protsch-vermessen-in-jeder-hinsicht-1.923873

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