Grenzlandmuseum Teistungen bei Duderstadt

Gesendet am 15.12.2003 MixUp-Magazin im StadtRadio Göttingen

Interview mit Vera Köster, GrenzlandmuseumTeistungen

 

Ingeborg Lüdtke:

Frau Köster seid wann gibt es das Grenzlandmuseum?

Grenzlandmuseum (C) Markus Grabautzki

Grenzlandmuseum (C) Markus Grabautzki

Vera Köster:

Das Grenzlandmuseum gibt es seit dem 11.11.1995.

Ingeborg Lüdtke:

Wer ist der Initiator dieses Grenzlandmuseums?

Vera Köster:  

Initiator des Grenzlandmuseums ist ein Verein. Der hat sich Anfang der 1990er Jahre gebildet und zwar aus den Gemeinden Teistungen in Thüringen und Duderstadt in Niedersachsen.

Ingeborg Lüdtke:

Was kann man sich eigentlich unter diesem Grenzlandmuseum vorstellen? Ist das eine reine Dokumentensammlung?

Vera Köster:

Das Grenzlandmuseum ist, wie der Name schon sagt, ein spezielles Museum. Sicherlich ist es auch eine Dokumentensammlung, aber hauptsächlich die Vermittlung der regionalen Geschichte. Und die war ja sehr bedeutend, weil hier an dieser Stelle früher der  Grenzverkehr ging. Der kleine Grenzverkehr wurde 1973 eröffnet.

Für die Region war dies auch von großer Wichtigkeit, weil hier die deutsch-deutsche Grenze Familien, Freunde und Bekannte  getrennt hat. Dies war für die Eichsfelder Bevölkerung auch mit Sicherheit schrecklich. Zum Beispiel hat eine Mutter die Tochter 40 Jahre lang nicht hat sehen dürfen. Die Eichsfelder sind ja sehr bodenständig und hängen auch aneinander. Die Familie sowie Freundschaft und Bekanntschaft wird noch groß geschrieben. Dadurch war seine solche Trennung von heute auf morgen sehr hart.

Ingeborg Lüdtke:

Grenzlandmuseum (c) Markus Grabautzki

Grenzlandmuseum (c) Markus Grabautzki

Wie ist dieses Grenzlandmuseum von der Bevölkerung aufgenommen worden?

Vera Köster:

Im Osten ist es nicht so gut aufgenommen worden, wie im Westen. Im Westen hat man das Museum natürlich gut geheißen. Viele Menschen sind im alten DDR-System verhaftet [Anm.:Stand 2003]  und behaupten oftmals, wir würden die Geschichte nicht korrekt darstellen. Solche Äußerungen kommen von einigen ehemaligen DDRGrenzern [Anm.: Grenzsoldaten],  die dem Kommunismus ein wenig nachtrauern. Durch die Öffnung der Grenze haben sie ihre Existenz verloren.

Wir haben also nicht nur Befürworter für das Grenzlandmuseum, aber die Befürworter sind letzten Endes in der Mehrheit.

Ingeborg Lüdtke:

Wie viele Besucher kommen durchschnittlich im Monat?

Vera Köster:

Das ist unterschiedlich. Man kann im Jahr mir 40.000 Besuchern rechnen. Die Besucher kommen von überall her: Sie kommen u.a. aus Korea, den USA, Japan, China, Russland, Spanien, Frankreich und den  Niederlanden.

Es sind viele Touristen dabei. Es ist immer wieder erstaunlich, dass sich gerade ausländische Besucher für unsere Geschichte interessieren.

Ingeborg Lüdtke:

Wie sieht so die Reaktion der Besucher aus?

Vera Köster:

Wir können mit Stolz sagen, dass die Besucher beeindruckt sind. Sie sind nicht nur von unserer Dauerausstellung beeindruckt, sondern auch von den Informationen, die sie erhalten. Sie erfahren Dinge, die ihnen so gar nicht bewusst waren, wie  z. B. die Trennungen der Familien, die fürchterlich gewesen sind.

Ingeborg Lüdtke:

Was gibt es denn in Ihrer Dauerausstellung zu sehen?

Vera Köster:

Grenzlandmuseum (c) Markus Grabautzki

Grenzlandmuseum (c) Markus Grabautzki

Wir zeigen überwiegend die regionale Geschichte der Grenze. Diese Geschichte kann man natürlich nicht einfach darstellen, ohne die DDR in der Gesamtheit zu sehen. Wir geben auch einen Überblick darüber, warum die Grenze kam. Ein Thema ist der 2. Weltkrieg. Es geht auch  um die Zeit der grünen Grenze, als noch kein Zaun stand. Einige gingen heimlich über die Grenze und haben gehamstert [Anm.: z.B. Zigaretten gegen Lebensmittel eintauschen]. Bis zum Mauerbau war es auch noch möglich, Verwandte in der DDR heimlich zu besuchen.

Ein Thema der Ausstellung ist auch die Aufgabe, die die Stasi [Anm.: Staatssicherheitsdienst] übernommen hat:  Wo und wie hat sie geschnüffelt?

Die Ausstellung befasst sich ebenfalls mit der Geschichte der Grenze und mit dem Leben

Grenzlandmuseum (c) Markus Grabautzki

Grenzlandmuseum (c) Markus Grabautzki

im Sperrgebiet,  aber auch mit der Alltagsgeschichte und der Erziehung in der DDR, der vormilitärischen Ausbildung der Pioniere (FDJ), GST bis hin zur Wende.

Ingeborg Lüdtke:

Es gibt ja jetzt nicht nur diese Dauerausstellung.

Vera Köster:

Es gibt natürlich auch spezielle Sonderausstellungen zur politischen Themen in der DDR oder überhaupt zu DDR-Themen. Wir haben auch schon in diesem Jahr (2003) zur Alltagsgeschichte gemacht. Die ist nicht zur verwechseln mit dem Alltags-DDR-Boom. Wir haben auch schon Alltagsgeschichte dargestellt in Form der Dinge, die man dort kaufen konnte z.B. Töpfe und Eierbecher.

Ich denke man muss nicht immer politisch sein. Man muss den Leuten auch einfach mal den Alltag darstellen können. Die andere Seite des Alltags nicht nur die des Kuschens.

Ingeborg Lüdtke:

Es gibt derzeit auch eine Sonderausstellung [Anm.: 3.12.2003 – 25.1.2004] über die DDR-Verfolgungsgeschichte der Zeugen Jehovas

Vera Köster:

Die Zeugen Jehovas sind ja eine Minderheit in der DDR gewesen. Ihre Geschichte ist eigentlich auch nach der Wende untergegangen. Viele Personen, die mitbekamen, dass wie eine Ausstellung über die Zeugen Jehovas in der DDR machen, waren ganz erstaunt und haben gesagt. „Wir haben gar nicht gewusst, dass es da so viele bei uns gab.“ Sie sind eigentlich unterdrückt und beschimpft worden. Sie haben ein ganz übles Schicksal hinter sich und das muss aufgearbeitet werden. Dies macht die Wissenschaft seit einigen Jahren.

©  Ingeborg Lüdtke

Rundweg Grenzlandstreifen bei DUDAktualisierung der Ausstellung: Die Ausstellung wurde 2010 überarbeitet. Heute kann man auf dem Rundweg außerhalb der Gedenkstätte teilweise entlang des ehemaligen Grenzstreifens wandern. 24 Infotafeln bieten einen Einblick in historisch-politische und ökologische Inhalte.Grenzlandstreifen DUD

Es sind zum Teil Original-Grenzanlagen vorhanden wie der  Beobachtungsbunker und der Wachturm neben Streuobstwiesen.

Anmerkung: Wer an einer Gruppenführung teilnehmen möchte, sollte unbedingt auf die Preise achten. Zusätzlich zum Eintrittpreis (4,- €) kommen noch je Führung folgende Tarife dazu: eine Innenführung  (15,00 €) und eine Außenführung (25,00 €). Bei einer Gruppe von 3 Personen wären dies pro Person 14,- €.

Links:

http://www.grenzlandmuseum.de/

http://de.wikivoyage.org/wiki/Grenzlandmuseum_Eichsfeld

http://de.wikipedia.org/wiki/Teistungen

Literaturhinweis:

Jürgen Ritter/ Peter Joachim Lapp, DEUTSCHLAND-GRENZENLOS (Bildband), Ch. Links Verlag, Berlin, März 2014

Hans-Hermann Dirksen, „Keine Gnade den Feinden unsere Republik“ – Die Verfolgung der Zeugen Jehovas in der SBZ/DDR 1945-1990 (Zeitgeschichtliche Forschungen 10), Duncker & Humblot, Berlin 2001

Gerhard Besier/Clemens Vollnhals (Hrsg.), Repression und Selbstbehauptung – Die Zeugen Jehovas unter der NS- und der SED Diktatur (Zeitgeschichtliche Forschungen 21, Tagungsband), Duncker & Humblot, Berlin 2003

Film:

Fritz Poppenberg, Folget mir nach http://www.dreilindenfilm.de/shop/folget-nach-p-142.html

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