„Übrigens, … wir sind die Letzten“ – Ein Hörbuch entsteht

Buchmesse HörbuchDas HÖRBUCH “Übrigens … wir sind die Letzten” – Überlebende des Frauen-KZ Ravensbrück berichten entsteht:

Die Entstehung der Radiosendung über das Frauen-KZ Ravensbrück ist eine kleine Geschichte für sich. Das erste Mal besuchte ich im November 1994 die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück mit einer Gruppe. Von Kindheit an kannte ich Berichte von ehemaligen KZ-Insassen, aber tatsächlich auf dem Boden des Geschehens zu stehen, war sehr beklemmend. Wir standen nach der Führung schweigend im Nebel an dem mit Flutlichtern beleuchteten See und hörten die Wellen klatschen und dachten an die Asche der verbrannten Opfer, die anfangs dort auf den See gestreut wurde. In der Gruppe befand sich auch Annaliese Gerber, die als Kind in der näheren Umgebung von Ravensbrück aufgewachsen ist.

Erst ab 1998 beschäftigte ich mich dann intensiver mit dem Thema Konzentrationslager. Am 7. Januar 1998 besuchte ich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus 27. Januar“ eine Veranstaltung des gleichnamigen Bündnisses. Die beiden Historiker Dr. Hans Hesse und Jürgen Harder referierten

Dr. Hans Hesse Hörsaal Uni Göttingen

Dr. Hans Hesse Hörsaal Uni Göttingen

über das KZ Moringen. Im gleichen Jahr habe ich in einem Hörsaal der Universität Göttingen im Anschluss an die Filmvorführung „Fürchtet Euch nicht“ von Fritz

Charlotte Tetzner Hörsaal Uni Göttingen

Charlotte Tetzner Hörsaal Uni Göttingen

Poppenberg ein Zeitzeugengespräch mit Charlotte Tetzner geführt, die in dem Film auch zu Wort kommt. Dieses Gespräch wurde mitgeschnitten und war das erste Material zur Radiosendung.

Im Mai 1999 wurde ich dann auch aktiv in dem Bündnis „Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus 27. Januar“ tätig. Da unter anderem die KZ Gedenkstätte Moringen Mitglied des Bündnisses ist, produzierte ich eine 2-teilige Radiosendung über das Frauen KZ Moringen. Die beiden Historiker Dr. Hesse und Jürgen Harder unterstützten mich hierbei. Sie arbeiteten gerade an ihrem Buch „Und wenn ich lebenslang in einem KZ bleiben müsste…“, das eine Verbindung zwischen den drei Frauen-KZ´s Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück aufzeigt (2001 veröffentlicht im Klartext Verlag Essen). Sie hatten Änne

Änne Dickmann, Ausstellung Ravensbrück

Änne Dickmann, Ausstellung Ravensbrück

Dickmann über ihre Inhaftierung in den KZ´s Moringen, Lichtenburg und Ravensbrück interviewt. Das Interview wurde auf Video aufgezeichnet. Dieses Tonmaterial durfte ich für die Radiosendung über das Frauen KZ Ravensbrück verwenden. Einen Teil des Buchtextes trug Dr. Hesse bereits am 7. Oktober 1999 auf einer Tagung im Kunsthaus Zürich vor. Das Referat wurde einige Male durch eine Gedichtlesung der Verse von der Zeitzeugin Klara Schwedler unterbrochen. Martina Müller las die meisten der Verse. Auch dieses Tonmaterial durfte ich verwenden.

Ein weiteres Interview führte ich an einem Sonntag im August 2000 frühmorgens um 8 Uhr am Telefon mit Gertrud Pötzinger. Anlässlich einer Gedenkveranstaltung Anfang  September 2000 machte mich Arno Schelle von der KZ-Gedenkstätte  Moringen auf

Gertud Pötzinger, Ausstellung Ravensbrück

Gertud Pötzinger, Ausstellung Ravensbrück

die anwesende Zeitzeugin Gertrud Müller aufmerksam. Gertrud Müller und ich vereinbarten, dass ich mich bei ihr zwecks Interviews melden solle.

Anfang 2001 war dann endlich die Radiosendung über das Frauen-KZ Moringen fertiggestellt, und ich verabredete mich dann mit Gertrud Müller im April 2001 für ein Treffen anlässlich der Gedenkveranstaltung in Ravensbrück auf dem ehemaligen Gelände des KZ´s. Einen Tag vor dem Treffen, sah ich mir Material in der Bibliothek der Gedenkstätte Ravenbrück an. Als weitere Gesprächsvorbereitung las ich das Buch „Frauen in Konzentrationslagern – Bergen-Belsen-Ravensbrück)“ (hrsg. von Füllberg. Stolberg, u.a., Bremen 1994). Der ehemalige österreichische Gedenkdiener Günther Heilmeyer besorgte mir bei Ilse König in Lychen eine Unterkunft und zeigte mir auf dem Gelände das Gebäude, in dem ich mich mit Gertrud Müller traf und eine Stunde unterhielt. Das Gespräch wurde auch aufgezeichnet.

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung vermittelte Cordula Hoffman [Anm.: jetzt Hundertmark] von der Gedenkstätte Ravensbrück mir den Kontakt zu den polnischen

 Gedenkfeier Ravensbrück


Gedenkfeier Ravensbrück

Zeitzeuginnen Hanna Walczuk (geb. Dickhof) und Wanda Rosiewicz, die von Gisela Multhaupt betreut wurden. Außerdem konnte ich die Zeitzeugin Ilse Heinrich interviewen.

Im Mai 2001 erhielt ich von Dr. Hesse den Tipp, mich zwecks genauerer Zahlen an den Historiker Dr. Bernhard Strebel zu wenden, der gerade seine Dissertation über das KZ Ravensbrück schrieb. Dr. Strebel las die von mir inzwischen aufgeschrieben Zeitzeugengespräche gegen und gab mir noch hilfreiche Erklärungen dazu. Außerdem hatte er noch einige wichtige Buchtipps für mich. Auch ihn konnte ich telefonisch interviewen.

Im September 2001 war ich anlässlich der Buchpräsentation von „Und wenn ich lebenslang in einem KZ bleiben müsste…“ erneut in Ravensbrück. Günther Heilmeyer und Ilse König stellten für mich den verlorenen Kontakt zu Annaliese Gerber wieder her. Diese konnte mir

Annaliese Gerber u. Anneliese Neukirch

Annaliese Gerber u. Anneliese Neukirch

dann ein Interview mit Anneliese Neukirch vermitteln. Am Morgen der Buchpräsentation begleitete mich Annaliese Gerber zu Anneliese Neukirch.

Ende 2001 begann ich, den Text der Radiosendung zu schreiben. Ich hatte bis dahin ganz gut den Abstand zu dem Gehörten und Gelesenen halten können, aber beim Schreiben des Textes hatte ich Phasen, in denen ich nachts von den Schilderungen meiner Interviewpartnerinnen träumte. Besonders der Teil über die Kinder viel mir schwer zu schreiben.

Nach Fertigstellung des Textes las mir netterweise Martin Guse den Text gegen und half mir durch seine konstruktiven Anmerkungen den Text zu verbessern. Er selbst hat über das Jugend-KZ Uckermarck in der Nähe von Ravensbrück geforscht.

Am 24. Januar 2002 wurde der erste Teil der Sendung im StadtRadio Göttingen ausgestrahlt.

Seitdem wurde die Sendung in sechs nichtkommerziellen Radiosendern mehrfach ausgestrahlt. Ein besonderes Interesse kam von Hörern aus Braunschweig. Dort wurde sogar eine Kopie der Sendung für die Mitnahme nach Israel erbeten.

Durch Zufall bekam ich telefonischen Kontakt zu Elisabeth Prégardier, die zahlreiche Artikel und Publikationen zu den politischen christlichen Frauen in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus veröffentlich hat. Sie bat mich, ihr den Text meiner Radiosendung zu kommen zu lassen. Nach Erhalt des Textes ermunterte sie mich, ihn mit Fotos der Zeitzeuginnen und Fußnoten zu versehen und einbinden zu lassen, da sie gerne den Text der von ihr konzipierten Frauenausstellung „Christliche Frauen im Widerstehen gegen den Nationalsozialismus“ beilegen wollte. Die KZ Gedenkstätte Ravensbrück und das Geschichtsarchiv der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas in Selters unterstützten mich mit Fotos. Karlo Vegelahn erstellte dann das Layout. Für die Druckfassung wurden die Interviews der besseren Lesbarkeit wegen leicht überarbeitet.

Den Text tatsächlich mit der CD durch einen Verlag zu veröffentlichen, war für mich recht lange Utopie, aber bedingt durch den Tod von drei Zeitzeuginnen (Gertrud Pötzinger, Änne Dickmann und Anneliese Neukirch) aus der Sendung änderte sich meine Sichtweise.

Ich wollte, dass das Andenken an die Leiden dieser Frauen und die Stimmen der Zeitzeuginnen für spätere Generationen bewahrt werde.

Ich bedanke mich besonders bei den Zeitzeuginnen dafür, dass sie mir so bereitwillig über ihre Erlebnisse berichtet haben. Bedanken möchte ich mich auch bei den Historikern für Ton-und Textmaterial sowie hilfreichen Anmerkungen. Für ihre Hilfe bedanke ich mich auch bei der KZ Gedenkstätte Ravensbrück, besonders bei Cordula Hoffmann [Anm.:jetzt Hundermark], Britta Pawelke und Dr. Horst Seferens sowie dem Geschichtsarchiv der Religionsgemeinschaft der Zeugen Jehovas, insbesondere Johannes Wrobel, und allen, die mir in irgendeiner Weise bei der Erstellung der Radiosendung geholfen haben. Ohne sie alle wäre diese Sendung sicherlich nicht zustande gekommen. Mein Dank gilt auch denjenigen, die mich moralisch unterstützten und immer ein offenes Ohr für dieses Projekt hatten, ich denke da besonders an Gisela Multhaupt und an meine Kollegen Peter Schelwis und Markus Eidt.

Göttingen im Februar 2005 Ingeborg Lüdtke

(C) Ingeborg Lüdtke

Anmerkung: Inzwischen sind Änne Dickmann, Gertrud Pötzinger, Gertrud Müller, Annaliese Gerber, Anneliese Neukirch und Charlotte Tetzner verstorben.

Kommentar: Die von mir interviewten Zeitzeuginnen kamen aus verschiedenen Gründen in das KZ: Als Kommunistinnen, als Tochter eines Kommunisten (im KZ konventiert zu den Zeugen Jehovas), als asozial abgestempelt, als Zeuginnen Jehovas, und als Polinnnen nach dem Warschauer Aufstand (u.a. der polnischen Intelligenz zugehörig).

Annaliese Gerber berichtet aus der Sicht des Kindes, was sie in Lychen beobachtet hat und Anneliese Neukirch hat als Zivilistin außerhalb der Mauern von Ravensbrück in einer Holzpantinen-Fabrik mit den Inhaftierten zusammengearbeitet.

Übrigens … wir sind die Letzten” – Überlebende des Frauen-KZ Ravensbrück berichten (Hörbuch) Download noch möglich (wenige Restexemplare noch bei mir vorhanden).

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