Buchmesse 2014 – Verlust der persönlichen Identität

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEigentlich könnte es ein schöner Tag werden. Die Bahn streikt nicht. Der Zug hat nur 10 Minuten Verspätung. Ich treffe meine Kollegin Ellen aus dem Vertrieb, so dass die Wartezeit schnell vergeht. Ellen sitzt in Wagen 4 und ich habe in Wagen 2 einen Sitzplatz reserviert. Die geänderte Zugfolge erweist sich als positiv. Der Weg vom Gleis zur U-Bahn ist also nicht sehr lang. Wir treffen uns später direkt auf dem U-Bahngleis. Die U-Bahn ist recht voll und wir stehen gedrängt vor der Ausgangstür. Ich komme versehentlich – wie ich meine – gegen die Hand des dicht neben mir stehenden Herrn.

Diebstahl

Beim Messegelände angekommen, trennen sich meine Kollegin und ich, da ich noch den Eintrittsgutschein einlösen muss. Als ich auf der Rolltreppe schon nach dem Gutschein suche, bin ich geschockt. Der Reißverschluss der Tasche ist offen und die Brieftasche mit allen Papieren weg. Aufgelöst erkläre ich der Dame vom Messeservice, dass mein Gutschein auch gestohlen wurde. Eine Frau spricht mich an und sagt: „Dann lade ich Sie heute einmal vom Klett-Verlag ein.“ Ihren Namen will sie mir nicht verraten, aber ich bedanke mich herzlich. Es gibt doch noch sehr nette Menschen. Ich lade sie ein, abends einfach mal bei unserem Verlagsstand zum Autorenempfang vorbeizuschauen.

Meine Geldbörse und das Handy sind noch da. So kann ich mit Hilfe des Infoservice meine Bank anrufen und gleich die Karten sperren lassen.

Am Verlagsstand angekommen, erzähle ich von meinem Unglück.

Lizenzgespräch

Heute darf ich zu ersten Mal an einem Lizenzgespräch teilnehmen. Der Kollege von dem spanischen Verlag ist sehr nett und an Titeln über neuere Theologie, Philosophie und Psychotherapie interessiert. Für eine Frage zum Inhalt eines Titels und zur Vita des Autors bitten wir den Lektor für den Fachbereich Psychologie an den Tisch.

Suche der Polizeistation und Anzeige des Diebstahles

Der Schauspieler Hanns Zischler ( „Entführt“, Tatort etc.) läuft mir über den Weg.

Für eine spätere Veranstaltung mache ich schon einmal den Weg ausfindig und erkundige mich auch gleich noch nach einer Polizeistation auf dem Messegelände. Ich soll die Halle 3 verlassen und um die Halle 4 herumgehen. Draußen nieselt es und ich bin froh, dass ich meine Regenjacke nicht an der Garderobe abgeben habe. Ich sehe wie das ORF ein Interview draußen vor der Halle unter einem großen Schirm filmt und nach dem Weitergehen stehe ich nun bei einer Absperrung. Ich frage den Sicherheitsmann nach dem Weg. Er schickt mich zu seinem Kollegen, der mich eigentlich wieder ein Stück zurückschickt. Doch diesmal steht dort ein anderer Kollege von ihm, der mir ziemlich autoritär zu verstehen gibt, dass ich dort nicht lang gehen darf. Ich soll wieder in die Halle reingehen und von dort auf die andere Seite gelangen. Als ich wieder in die Halle will, stehe ich vor der Kartenkontrolle, die mich draufhinweist, dass ich nur ein Tagesticket hätte und vor Verlassen der Halle Bescheid sagen müsse. Leider muss ich noch mehrere Male fragen, bis ich dann endlich den entscheidenden Tipp bekomme.

Irgendwie erinnert mich das Ganze an meine New-York-Reise. Am letzten Abend wurde der  Schwester meiner Zimmerpartnerin die Kreditkarte gestohlen und wir mussten sehr weit bis zur zuständigen Polizeistation laufen. Was sich dann dort noch so abspielte bis wir die Anzeige aufgeben konnten, erinnerte sehr stark an den Film „Police Academy“. Aber ich bin ja in Deutschland. Die Polizisten sind anfangs nicht so begeistert, als ich komme. Ich folge einem Polizisten, der dann meine Anzeige aufnimmt. Er fragt, ob ich mich ausweisen kann. Kann ich nicht. Irgendwie fühle ich mich meiner Identität beraubt. Ich habe nur mein  Namensschild an der Jacke und finde noch eine Visitenkarte. Aber bin ich das wirklich oder habe ich diese von einer anderen Person übernommen? Ich werde nun belehrt, dass ich keine Falschaussage machen darf und auch einen Anwalt hinzuziehen darf. Aha. Im Krimi werden doch immer nur die Verdächtigen auf die Hinzunahme des Anwalts aufmerksam gemacht.

Der Polizist schreibt nun das Protokoll und zeigt auch Mitgefühl. Ich unterschreibe und erhalte eine „Bescheinigung über die Erstattung einer Anzeige“, die ich dann bei der Wiederbeschaffung der Unterlagen vorlegen kann. Am Ende begleitet er mich sogar noch bis zum Ausgang.

Fragestunde zu „Bildrechten“

Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig, um mir die Fragestunde des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zum Thema „Bildrechte“ anzuhören. Typische Fragen sind: „ Kann man Bilder mit einer Creative-Commons-Lizenz kommerziell nutzen?“ (Hier lauern viele Fallen, da nicht gewährleistet ist, dass derjenige, der die Bilder einstellt auch der Rechtinhaber ist. Für einen Lizenzverkauf dürfen sie nicht genutzt werden.) „Kann man Bilder verwenden, wenn der Rechteinhaber angefragt wurde, aber nicht antwortet oder nicht ermittelt werden kann? Reicht es hier, dass man sein Bemühen im Werk notiert und den Rechteinhaber bittet, sich zu melden?“ (Schweigen auf Anfrage, ist keine Zustimmung. Das Bemühen der Recherche mitzuteilen, reicht nicht aus, da man mit der Veröffentlichung eine Rechtverletzung begeht. Es fördert aber ein besseres Gesprächsklima, wenn der Rechteinhaber davon erfährt.) „Darf man voraussetzen, dass man bei einer Biografie auch ohne Rückfrage ein Bild von der Person über die man das Buch veröffentlicht auf das Cover setzen kann?“ (Nein, es muss der Abgebildete und der Fotograf gefragt werden.)

Im Anschluss spreche ich noch mit zwei Mitarbeitern vom Börsenverein, mit denen ich schon mehrfach zu tun hatte.

Neue Produktstrategien und Erlöse mit mobilem Content

Mir bleibt noch etwas Zeit, um ein wenig bei der Diskussion „The Mobile Shift – Neue Produktstrategien und Erlösmodelle mit mobilem Content“ zuzuhören. OLYMPUS DIGITAL CAMERA

So richtig viel verdienen, kann man noch nicht damit. Viele Apps sind kostenlos und werden über Werbung finanziert.  Leider ist die Produktion nicht billig. Auch kann man nicht einfach von einem gut verkauften Buch Apps herstellen und dies aus dem Fachbereich heraus erstellen. Es sind externe Dienstleister und ein Produktmanager im eigenen Haus nötig. Das Produkt muss täglich angeschaut werden. Die Ausgangsfrage für eine App ist: „Welches Problem löse ich für den Kunden?“

 

RightsLink

Leider muss ich nun los, da ich mich mit einer Mitarbeiterin von der Buchmesse treffen will, die für die Lizenzierung von Kleinlizenzen über RightsLink zuständig ist. Ich gebe ihr meine gesammelten Überlegungen und Kritiken.

„Hitlers Rache“ und „Der Mauerfall“

So langsam mache ich mich auf den Rückweg, schaue aber noch in Halle 4.2 vorbei. Beim Paschens-Literatur-Café verabschiedet sich gerade Friedrich Wilhelm von Hase (Sohn des Generalleutnants Paul von Hase, der wegen seiner Beteiligung am Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde) der das Buch „Hitlers Rache“ geschrieben hat.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnschließend berichtet Sven Felix Kellerhoff über Hintergründe zum Bildband „Der Mauerfall“, den er zusammen mit Lars-Broder Keil erstellt hat.

Mainhardt Graf von Nayhauß (Journalist) ist auch auf dem Podium. Er war dabei, als der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl am Tag des Mauerfalls von Journalisten in Warschau gefragt wurde, ob er jetzt auch nach Berlin fahren würde. Er sagt, dass Helmut Kohl geantwortet habe, er könne doch nicht seine Gastgeber im Stich lassen. Er sei dann erst am nächsten Tag nach Berlin gefahren. In dem aktuellen Buch von Helmut Kohl, wäre es anders dargestellt.

ARD Forum

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAuf dem Weg zur U-Bahn liegt das ARD Forum und ich schaue kurz rein. Reinhold Messmer wird gerade vorgestellt.

Vor der Rolltreppe treffe ich noch einen IT-Kollegen und fahre zum Bahnhof. Der Zug ist schon da. Leider sitze ich im ersten Wagen und muss ganz nach vorne laufen. Kurz nach der Abfahrt muss ich die Fahrkarte vorzeigen. Der Schaffner möchte die Bahncard sehen. Ich erzähle ihm, dass mir diese samt Brieftasche gestohlen wurde und zeige die Bescheinigung der Anzeige. Die nette Sitznachbarin bedauert mich und wünscht mir, dass ich die Brieftasche mit Inhalt wiederbekomme.

Parkhaus

In Göttingen muss ich noch mein Auto aus dem Parkhaus herausbekommen. Das Ticket war auch in der Brieftasche. Ich zeige dem netten Parkhauswächter meine Bescheinigung und die Fahrkarte und bezahle ihm das Ticket. Mal sehen, ob ich die Brieftasche mit den Papieren wieder bekomme. Wenn nicht, dann kann die Wiederbeschaffung sich ganz schön lange hinziehen.

 

PS I: Am nächsten Tag stelle ich fest, dass der Dieb oder die Diebin ein Profi war und bereits um 9.31 h und um 9.34 h Geld abgehoben hat und ich um 900,- € ärmer bin. Laut Bank habe ich aber erst um 9.37 h die Sperrung veranlasst und sie will das Geld nicht erstatten.

Nachdem ich mein Veto eingelegt hatte, erhielt ich 4 Wochen später Post von der Bank. Sie will mir aus Kulanzgründen 50% des Schadens ohne Anerkennung einer Rechtspflicht  erstatten.

PS II: Über ein Jahr später meldete sich die Polizei bei mir und sagte, dass sie den international gesuchten Profi-Dieb ermittelt hätten. Das Geld bringt mir dies auch nicht wieder.

  2 comments for “Buchmesse 2014 – Verlust der persönlichen Identität

  1. helga
    3. Juli 2015 at 07:34

    ich finde es unverschämt von der bank,den verlust nicht völlig zu erstatten nur weil der dieb drei minuten schneller war als du. warum hast du nicht geschrieben, um welche bank es sich handelt .wäre doch auch für die leser interessant, zu wissen welches geldinstitut da so kleinlich war

    • 3. Juli 2015 at 16:29

      Das Gesetz hat sich zu Gunsten der Bank geändert. Da der Dieb die Originalkarte verwendet hat,nimmt die Bank an, dass die PIN sich in unmittelbarer Nähe der Karte befunden hat, auch wenn dies nicht der Fall war. So muss ich als Kunde froh sein, überhaupt Geld zurückbekommen zu haben. Deshalb möchte ich natürlich auch keinen Namen der Bank nennen.

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