Erster Wehrdienstverweigerer 1939 erschossen: August Dickmann

Magazin „MixUp“ im StadtRadio Göttingen gesendet am 13.September 2004

Das Recht auf Wehrdienstverweigerung wurde erst nach dem 2. Weltkrieg gesetzlich verankert

Vielen ist heute gar nicht so bewusst, dass das Recht auf Wehrdienstverweigerung erst nach dem 2.Weltkrieg gesetzlich verankert wurde. 1935 führte Hitler die allgemeine August Dickmann Wehrpflicht ein. 1938 wurde die Todesstrafe für Wehrkraftzersetzung eingeführt. In dem Film “Fürchtet Euch nicht” von Fritz Poppenberg wird von der 1.Erschießung eines Wehrdienstverweigerers im 2. Weltkrieg berichtet. Der Zeuge Jehovas August Dickmann wurde am 15.9.39 im KZ-Sachsenhausen hingerichtet.
Fritz Poppenberg sprach mit den beiden Zeugen Jehovas Josef Rehwald und Richard Rudolph, sowie mit dem politischen Häftling Fritz Brinkmann. Alle drei waren Augenzeugen der Erschießung.
(Film- O -Ton):
“Lagerkommandant Baranowski bat seinen obersten Vorgesetzten Himmler, um Erlaubnis ein Exempel statuieren zu dürfen, um den Widerstand der Zeugen Jehovas zu brechen. Es war der 15. September 1939. Wenige Tage nach dem Überfall deutscher Truppen auf Polen, als die Außenkommandos früher als üblich ins Lager zurückkehren mussten: (Richard Rudolph: O -Ton) ‘Nun ordnete der Vierkant, der Lagerkommandant Baranowski an, dass der Schutzhäftling August Dickmann vorgeführt werden soll. Wir wunderten uns schon. Bruder August Dickmann war schon 3 Tage im Arrest. Nun ahnten wir, dass hier etwas besonders im Gange sei’.
Gedenkstein August Dickmann(Josef Rehwald: O -Ton): ‘Eines Tages musste das ganze Lager (hier) aufmarschieren. … Vor uns war eine große Kugelwand aufgebaut worden, rechts von uns standen 7 SS Leute, ein Erschießungskommando und ein SS Offizier im Range eines Sturmbannführers also mit 4 Sternen. Dann plötzlich kam ein SS Mann zwischen den Baracken hindurch und führte August Dickmann vor und er musste sich dann vor diese Kugelwand platzieren und zwar mit dem Gesicht zur Kugelwand.’
(Richard Rudolph: O -Ton): ‘Und ihm wurde dann vorgelesen, dass er ein Feigling sei, dass er sich weigere für das deutsche Vaterland zu kämpfen und dass er als Feigling standrechtlich erschossen werden soll. Und nun wurde er noch gefragt: ‘Halten Sie Ihre Aussage aufrecht?’ Und er sagte: ‘Jawohl.’
(Josef Rehwald: O -Ton): Dann gab der SS-Offizier den Schließbefehl und August Dickmann fiel dann rückwärts um. Der zog dann noch seinen Revolver, der Offizier und schoss ihm wohl in Kopf, also den sogenannten Fangschuss geben.’
(Fritz Bringmann: O -Ton):’ Nicht nur für mich, sondern für uns alle war dieser Akt ein glatter offener Mord, den es bis dahin in Sachsenhausen nicht gegeben hat. Morde hat es etliche gegeben, aber so offen und vor der angetretenen den Lagerbestand hat es nie zuvor eine solche Erschießung gegeben. Und ich muss sagen, dass hat nicht nur auf mich, das hat alles sehr deprimierend gewirkt, denn mit anschauen zu müssen, wie ein Mensch, der nur seiner Auffassung treu geblieben ist und keinen Wehrdienst leisten wollte, der sich also nicht zum Handlanger der Wehrmacht machen wollte. Das man den nur wegen seiner Gesinnung und wegen dieser Verweigerung erschießt, dass war für uns ein glatter auch ein glatter politischer Mord.’

© Ingeborg Lüdtke

Filmtext: Mit freundlicher Genehmigung von Dreilinden-Film

 

Hinweis:  Am 31. Januar 2014 ist Richard Rudolph im Alter von 102 Jahren verstorben.

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