Buchmesse Frankfurt 2017

Buchmessen-Eule

Auf dem  Bahnsteig treffe ich drei Kolleginnen und einen Kollegen. Obwohl wir getrennt gebucht haben, sitzen wir alle in demselben Wagen und nach einiger Verzögerung sogar an demselben Tisch. Nur der Kollege sitzt hinter uns. Wir fahren auch noch gemeinsam in der U-Bahn. Auf dem Weg von der U-Bahn zur Messeeingangshalle spielt wieder ein Geiger klassische Musik. Er spielte auch letztes Jahr an dergleichen Stelle. Er trägt einen weißen Kasack und einen langen weißen Bart.

Da ich noch keine Eintrittskarte habe, trennen wir uns. Nachdem ich meine Karte geholt und auch dem Messepersonal gezeigt habe, stehe ich im „Stau“. So etwas habe ich noch nie erlebt. Letztes Jahr wurden nur einige Taschen zur Kontrolle ausgewählt. Heute muss jeder seine Taschen öffnen. Auch habe ich den Eindruck, dass wir heute über einen anderen Weg in die Messehallen geführt werden.

Plötzlich sehe ich keinen Hinweis mehr auf Halle 4. Ich gehe zurück und frage einen Mitarbeiter der FAZ, der die Zeitung kostenlos verteilt. Er schickt mich zurück und so gehe ich durch die Kalenderhalle zu Halle 4. Unterwegs finde ich auch den kostenlosen Kalender für meine Kollegin.

 

EDDY-Software

Nach dem ich die Jacke abgegeben habe, komme ich doch noch relativ pünktlich bei der Firma Triagon Software GmbH an. Ich bin mit Herrn Zedel verabredet und Frau Rißmüller kommt auch dazu. In dem netten Gespräch lasse ich mir noch einmal das Honorarprogramm und das Vertragsmodul zeigen. Die EDDY-Software ist wesentlich übersichtlicher und aussagekräftiger, als das Verlagsprogramm, dass wir in der Firma benutzen. Es wäre eine Ergänzung über eine Schnittstelle. Da wir in Kürze ein Update unseres Programmes erhalten, muss erst einmal abgewartet werden, ob sich die Wünsche von unserem Programm nicht doch noch erfüllen lassen. Allerdings habe ich persönlich wenig Hoffnung. Da ich nicht entscheidungsberechtigt bin, verbleiben wir so, dass ich Informationen zur Weiterleitung an die Verantwortlichen erhalten werde. Auch könne die EDDY-Software auf Wunsch per Videokonferenz vorgestellt werden.

 

AKG-Bildagentur

Mein Besuch bei der AKG-Bild-Agentur ist eigentlich mehr Smalltalk. Man hat nun ein Bild vor Augen, wenn man wieder etwas miteinander zu tun hat. Die eigentlichen Konditionen haben wir bereits vor einigen Wochen erneut abgeklärt. Wichtig ist noch einmal der Hinweis, dass man bei einigen Fotos auch die Rechte bei der VG Bild einholen muss.

Auf dem Weg zum Forum des Börsenvereins treffe ich einen ehemaligen Kollegen aus der Werbung. Es ist schön, ihn einmal wieder zu sehen.

Bei 3 SAT  geht gerade ein Interview mit Iris Radisch zu Ende. Ihr Buch trägt den Titel „Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben“.

An einem Stand wird ein grüner alter Porsche ausgestellt. Ob es sich um einen Porsche 911 oder 912 weiß ich nicht.

 

Garantiert qualifiziert: Wie mit lebenslangem Lernen der Strukturwandel gelingen kann

Der Börsenverein des Dt. Buchhandels und die Bücherfrauen haben ihre Veranstaltung unter das Motto „Garantiert qualifiziert: Wie mit lebenslangem Lernen der Strukturwandel gelingen kann“ gestellt.

Katrin Röttgen, Monika Kolb-Klausch, Ellen Braun, Gesa Oldekamp

Auf dem Podium sitzen Monika Kolb-Klausch (mediacampus frankfurt), Gesa Oldekamp (Belser Verlag) und Katrin Röttgen (buchMeyer). Die Moderation hat Ellen Braun (Consulting, Coaching, Training).

Im Text zur Ankündigung heißt es, dass der Strukturwandel  zu einer Veränderung der notwendigen Qualifikationen in der Branche führe. Lebenslanges Lernen sei eine notwendige Haltung seitens der Unternehmen und der Beschäftigten. Auch ginge es um die Rahmenbedingungen fähiges Personal zu halten und weiteres zu rekrutieren. Wie kämen Unternehmen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich dauerhaft weiterentwickeln wollen und lernbereit sind, um den Strukturwandel zu stemmen?

Tatsächlich erfahren die Zuhörer von den Podiumsteilnehmerinnen, dass sowohl die Firma als auch die Mitarbeiter wettbewerbsfähig sein müssen. Es würden nicht Mitarbeiter gesucht, die alles auswendig lernen. Benötigt würden Mitarbeiter, die Veränderungen mitgehen, sich weiterbilden, sich öffnen und neue Möglichkeiten erkennen, bereit sind über den Tellerrand zu sehen und „alles mitmachen“.

Auch wird erörtert, ob die Buchbranche Branchenfremde benötigt. Dies sei nicht unbedingt nötig, aber Mitarbeiter sollten bereit sein, sich neue Handlungskompetenzen anzueignen.

Firmen benötigten heterogene Teams. Chefs müssten akzeptieren, dass sie selbst nicht alles wissen. Sie sollten die Mitarbeiter motivieren können, aber nicht kontrollieren. Chefs sollten abgeben können, auch loslassen und zulassen. Sie sollten auch einsehen, dass Mitarbeiter andere Methoden haben.

Mitarbeiter sollten nicht in Seminare geschickt werden, sondern sich selbst die Seminare aussuchen können. Mehr lernen und arbeiten sollte zusammen kommen z.B. durch E-Learning.

Mitarbeiter sollten sich neue Gewohnheiten aneignen und behalten.

Jeder sollte sich fragen: „Wie sehe ich mich selbst? Vermeide ich Veränderungen?“

Ich gehe zum nächsten Termin und denke mir, dass dies alles eigentlich nichts Neues ist, außer dass die digitalen Hilfsmittel sich geändert haben. Andererseits kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es auch von Seiten der Chefs und Kollegen nicht immer gern gesehen wird, wenn man sich fortbildet und über den Tellerrand sieht. Es kann sich wie in meinem Fall auch negativ auswirken.

 

Fragestunde Bildrechte

Die Fragestunde zum Thema „Bildrechte“  wird dieses Jahr zum 5. Mal angeboten und ist schon eine feste Institution geworden. Sie wird ebenfalls vom Börsenverein des Dt. Buchhandels veranstaltet.

Der  Rechtsanwalt Dr. Adil-Dominik Al-Jubouri vom Börsenverein beantwortet Fragen der Verlagsmitarbeiter. Außerdem berichtet er über den Streit zwischen dem Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen und Wikimedia und dem aktuellen Urteil.

Obwohl Bilder und Kunstgegenstände bereits 70 Jahre nach Tod des Urhebers laut Urheberrecht gemeinfrei wären, dürfe man sie nicht gewerblich nutzen, da sie sich zum Zeitpunkt der Aufnahme im Eigentum des Museums befanden. Es käme immer auf das Eigentumsrecht an. Dieses gelte neuerdings auch für bewegliche Dinge z. B. Vasen.

Tatbestand des Streites zwischen dem Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen und Wikimedia:

Ein Wikipedia-Nutzer scannte  Fotos aus einem Katalog und stellte diese auf Wikimedia als gemeinfreie Werke zur kostenlosen Nutzung ein. Das Museum war mit den Bedingungen der Wikipedia-Lizenz nicht einverstanden war, da diese ausdrücklich die kommerzielle Verwendung der Bilder erlaubt. Das Oberlandesgericht bestätigte, dass die Reproduktionen der Gemälde aus dem Katalog als Lichtbilder geschützt sind. Nach dem Urteil des Gerichts, darf allein das Museum darüber entscheiden, wer Fotos von Ausstellungsgegenständen ins Netz stellen darf.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dieses Urteil würde erheblich die Arbeit der Kunstbuchverlage einschränken.

Nach der Veranstaltung spreche ich noch kurz mit Adil-Dominik Al-Jubouri. Er hatte netterweise meine Checkliste zur Nutzung von Bildern für meine Urheberrechtschulung gegengelesen. Er fand die Liste rechtlich in Ordnung, bemerkte aber, dass er die Darstellungsform für noch verbesserungsfähig halten würde. Darüber hatte ich mir allerdings auch schon Gedanken gemacht und einige Überlegungen angestellt.

 

Die Promis und wir

Bis zum Autorenempfang bleibt mir noch etwas Zeit und ich setze mich in Halle 4.0 hin, esse und trinke etwas. Ein junger Mann fragt mich, ob ich anonym an einer Umfrage teilnehmen möchte. Ich fülle den Fragebogen aus. Manche Fragen sind doch etwas seltsam formuliert. Andere kann ich nicht beantworten, weil sie sich hauptsächlich auf die französischen Bücher beziehen.

Ich verabrede mich mit meinem Bruder und meiner Schwägerin, die gerade Königin Mathilde von Belgien bei ihrer Ankunft gesehen haben.

Gregor Gysi

Wir treffen uns in Halle 3.0 beim Interview mit Gregor Gysi, der sein Buch „Ein Leben ist zu wenig“ vorstellt. Am Stand ist es sehr voll, man sieht ihn zwar nicht, aber man hört ihn. Es ist laut und zu anstrengend  zuzuhören. So gehen wir weiter. Wir sehen uns einige Buchtitel an. Auch Kinderbücher sind dabei. Ich sage zu meinem Bruder: „Solche Bücher hätten wir uns früher nie angesehen.“ Er grinst. Wenn man Neffen hat, ändert sich der Blick auf die Buchtitel.

Ziemlich unbeachtet steht der Autor Jan Weiler mit seiner Begleiterin vor einem Stand. Er hat das Buch „Das Pubertier“ geschrieben.

Wir meinen den Philosophen Richard David Precht zu sehen. Wir sind uns nicht sicher. Ein Herr (ca. 45) spricht uns an und fragt, ob wir wüssten wer dieser Autor sei. Er bedankt sich, obwohl wir ihm nicht genau sagen können, wer es ist. Zu Richard David Precht fällt mir wieder ein, dass ich sein Buch „Wer bin ich und wenn ja wie viele?“ zwar vor über einem Jahr begonnen habe zu lesen, aber nicht weiterlas. Sein Buch „Lenin kam nur mit Lüdenscheid“ hingegen habe ich mit Interesse gelesen.

Ken Follett

Der Herr, der uns eben nach dem Namen des Autors fragte, kommt noch einmal zurück und sagt uns, dass der Krimiautor Ken Follett ein paar Stände weiter vor uns zu sehen sei. Wir bedanken uns und sehen ihn im Interview und machen Fotos.

Während wir vor dem Plakat „Lieber barfuß als ohne Buch“ stehen, kommt der Promi, der mich seit Jahren auf jeder Buchmesse „verfolgt“. Irgendwie kreuzen sich unsere Wege immer, obwohl ich ihn nicht suche. Von den 39 von mir besuchten Buchmessen, gab es glaube ich nur eine, auf der mir Reinhold Messner nicht begegnet ist. Allerdings hätte ich ihn diesmal nicht gesehen, wenn mein Bruder mich nicht auf ihn aufmerksam gemacht hätte.

Vor 40 Jahren habe ich das erste Mal die Buchmesse 3 Tage gemeinsam mit meinem Bruder besucht und natürlich auch Reinhold Messner gesehen. Damals war auch Udo Lindenberg da. Auch Udo ist heute hier. Irgendwie wiederholt sich alles.

Später fällt mir ein, dass ich ja auch Autorin bin. Glücklicherweise kann ich noch immer unerkannt über die Buchmesse gehen.

2005 wurde mein Hörbuch mit Textbuch „`Übrigens … wir sind die Letzten‘  – Überlebende des Frauen-KZ Ravensbrück berichten“ auf der Buchmesse vorgestellt. Kein Bestseller, aber immerhin liegt es in mehreren KZ-Gedenkstätten und Bibliotheken. Verdient habe ich an dem Buch auch nichts, aber der eigentliche Grund der Veröffentlichung wurde erfüllt: Den überlebenden Opfern sollte eine Stimme selbst über den Tod hinaus gegeben werden.

Wir gehen weiter und ich begrüße kurz den Justiziar vom Börsenverein des Dt. Buchhandels  Prof. Dr. Christian Sprang mit Sohn.

Nach einer kurzen Verschnaufpause trennen sich dann die Wege von meinen Verwandten und mir, da ich zum Autorenempfang am Stand der  Vandenhoeck & Ruprecht Verlagsgruppe möchte. Einen Kollegen sehe ich auf der Rolltreppe weit vor mir. Wir haben dasselbe Ziel. Bevor die Kurzrede der Geschäftsführerin beginnt, spreche ich noch mit ihm.

Rechts vor mir steht ein Herr, der mich um einen Kopf überragt. Ich sage: „Peter?“ Keine Reaktion. „Peter Bieringer?“ Er dreht sich um und erkennt mich nicht sofort wieder. Sechs Jahre sind seit dem Seminar „Hörspiel“ in Berlin vergangen, auf dem wir uns kennenlernten. Seither haben wir uns nicht mehr gesehen. Nach der Eröffnung des Empfangs mache ich ihn mit mehreren Kollegen und Kolleginnen bekannt und stelle ihn als unseren Hörbuchsprecher vor. Peter selbst sagt: „ Ich bin die Lutherstimme“ („Luther lesen“). Nach einer dreiviertel Stunde muss ich weg, da ich meine Jacke noch in Halle 4 hängen habe. Es war sehr nett, ihn einmal wieder gesehen und gesprochen zu haben.

Der Geiger von heute früh steht wieder an demselben Platz. Ich habe noch etwas Kleingeld in der Hosentasche und werfe es in seinen Koffer. Er geigt und lächelt.

Der Zug fährt pünktlich ab. Er hat aber keinen Wagen 6. Diese Reservierungen sind hinfällig. Nur gut, dass ich in Wagen 2 reserviert habe. Eine Kollegin, die nicht reserviert hat, muss stehen und kann dann erst ab Kassel sitzen. Der Zug ist etwas zu früh in Göttingen.

© Ingeborg Lüdtke

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