Filmkritik: Passion Christi

Magazin “Mix Up”: gesendet im StadtRadio Göttingen am 19. April 2004

OLYMPUS DIGITAL CAMERANachdem ich ja schon so allerhand Negatives und auch Positives über den Film “Die Passion Christi“ gehört hatte, habe ich mir nun selbst dem Film angesehen.

Ich muss sagen, ich kann gar nicht verstehen, dass man den Film als zu brutal bezeichnet oder als antisemitisch auslegen will.

In dem Film wird nur Aramäisch und Latein gesprochen, dazu gibt es Deutsche Untertexte.

Der Film beginnt im Garten Gethsemane. Jesus Christus hat sich von seinem den Jüngern entfernt und betet inbrünstig. Schweißtropfen stehen auf seinem Gesicht.

Als Untertitel lesen wir Jesaja Kapitel 53:5:

„Doch wegen unserer Schuld wurde er gequält und wegen unseres Ungehorsams geschlagen. Die Strafe für unsere Schuld traf ihn, und wir sind gerettet. Er wurde verwundet und wir sind heil geworden.“ (Gute Nachricht)

Währenddessen schlafen drei seiner Jünger in der Nähe und werden von ihm geweckt und ermahnt mit ihm weiter zu wachen.

Er geht wieder weg und betet intensiv weiter.

Hier hatte ich erwartet, dass ihm ein Engel erscheinen würde, um ihn in seiner letzten Stunde vor der Verhaftung zu stärken.

Stattdessen erscheint ein blasses Gesicht mit Kapuze, dass Satan darstellt und eine Schlange zu ihm schickt. Diese wird von Jesus zertreten. Judas naht mit den Tempelsoldaten um Jesus zu verraten. Jesus wird festgenommen, Petrus will ihn mit dem Schwert retten und haut Malchus, dem Diener des Hohenpriesters das Ohr ab. Jesus vollbringt ein Wunder und setzt das Ohr wieder an. Petrus wird von Jesus zurecht gewiesen: “Alle die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen.“

In den nächsten Minuten zeigt der Film mal mehr mal weniger textgetreu den folgenden Ablauf des Tages

Petrus leugnet 3x Jesus zu kennen, und Jesu wird vom jüdischen Gericht wegen Gotteslästerung verurteilt.

Judas Gewissensbisse werden durch eine Horde Kinder dargestellt, die ihn verfolgen und plötzlich Dämonenfratzen haben. Ebenso plötzlich befindet er sich allein in der Wildnis und erhängt sich.

Es folgt eine etwas längere Szene über das Gespräch zwischen Jesus und dem römischen Statthalter Pilatus, der Jesus mehrfach versucht freizugeben. Die bekannte Pilatusfrage: „Was ist Wahrheit?“ , beantwortet Pilatus seiner Frau selbst. Seine persönliche Wahrheit besteht darin, für immer in der Provinz zu bleiben, wenn er sich den Wünschen der Juden widersetzen würde. Er entscheidet sich für die Karriere. Er sendet Jesus zu dem jüdischen König Herodes.

Die erfolglose Befragung des in sich selbstverliebten Herodes wirkt dagegen recht heiter.

Auch die Szene mit der gewünschten Freigabe des jüdischen Mörders Barabas lässt etwas Heiterkeit aufkommen und hat ein wenig Jahrmarktzüge. Barabas ist nun frei und präsentiert sich als „Sieger seinen Fans“. Jesu Tod wird hasserfüllt von dem Hohenpriester und seinem Gefolge gefordert worden..

Diese Szene kann sicher nicht als Grundlage für neue Gewalt an den heutigen Juden verstanden werden. Schließlich wurden die damaligen Juden im Jahre 70 n.Chr. durch die Zerstörung Jerusalems bestraft.

Es folgen die Misshandlungen der römischen Soldaten durch Schlagen und Geißelung. Hier werden die sadistischen Züge der schlagenden römischen Soldaten gezeigt.

Ich bin dankbar, dass diese lange brutale Szene nicht noch mehr ausgebreitet wird und das keine Fleischfetzen fliegen. Blut und Wunden gibt es auch so schon genug.

Das blasse Gesicht mit der Kapuze, also Satan, läuft mit einem Dämonenbaby auf dem Arm als Zuschauer durch die Menge.

Maria, die Mutter Jesus rückt ab immer mehr als Zuschauerin und Akteurin in den Mittelpunkt.

Nach Jesu blutiger Geißelung wird er von den Römer vom Platz geführt. Hinzugedichtet wird, dass die Frau des Pilatus Maria Tücher reicht. Maria und Maria Magdalene wischen nun mit den Tüchern das Blut Christi auf.

Sicherlich ist das Blut Christi eine wichtige Sache bei seinem Tod, aber das Aufwischen seines Blutes durch seine Mutter und Maria Magdalene wirkt eher wie das Aufwischen von künstlichem Hollywoodblut.

Der übelzugerichtet Jesus muss nun das Kreuz auf den Berg tragen. Fast in jeder Einzelheit werden dem Zuschauer das Leiden und die Last klar gemacht. Als er hinfällt, will ihm seine Mutter helfen, ein anderes Mal reicht ihm eine Frau ein Tuch. Angeblich ist dies das Schweißtuch der Veronika

Beides sind keine Texte des Bibel.

Da Jesus mehrfach fällt, wird der Jude Simon aufgefordert, gemeinsam mit Jesu das Kreuz zu tragen.

Nun folgt eine der schlimmsten Szenen des Filmes:

Jesus wird ein Arm ausgekugelt und auf den Querbalken gestreckt, der Nagel wird angesetzt, die Kamera schwenkt glücklicherweise weg, aber man hört die Einschläge des Hammers, Dann noch mal die andere Hand, dann die Beine und noch einmal Jesus am Kreuz mit dem verquollenen Gesicht nach unten gedreht und dann wird das Kreuz aufgerichtet.

Ich frage mich warum es überhaupt ein Kreuz gewesen sein soll?

In der Zeitschrift P.M.History vom Februar 2000 wird der katholische Theologe Prof.Georg Baudler zitiert. Lt. Prof. Baudler bedeutet das deutsche Wort Kreuz etwas anderes als die lateinischen und griechischen Wörter für Kreuz.

In den griechischen Originalen der Evangelien wird das Hinrichtungsinstrument als »staurós« (Pfahl) bezeichnet. Das aber bedeutet nicht kreuzigen, sondern pfählen. Auch das Wort crux, hieß ursprünglich nicht Kreuz, sondern Pfahl.

Dem aufgehängten spottenden Übeltäter an Jesu Seite wird ein Auge von einem Geier ausgehakt, während die Soldaten unter dem Kreuz mit Würfeln spielen.

Während der Misshandlungen wird immer wieder eingeblendet wie Jesus früher seine Jünger lehrte. Er lehrte sie Vergebung und dass er für die Sünden der Menschen sterben wird.

Maria geht zu Jesus und küsst seinen blutigen Fuß. Sein Blut bleibt auf ihren Lippen. Am liebsten würde ich ihr das Blut von denn Lippen wischen..

Jesus ist durstig und man reicht ihm einen in Wein getauchten Schwamm. Er ruft „Mein Gott, mein Gott warum hast mich verlassen?“ und bittet um Vergebung seiner Peiniger. Ein Erdbeben erschüttert die Gegend, spaltet den Tempel. Satan zeigt seine Freude. Zum Schluss erscheint der auferstandene Jesus mit den Malen an den Händen.

Kein unbedingt in allen Dingen textgetreuer Film. Sicherlich auch kein schöner Film und zartbesaitete Personen sollten lieber nicht in den Film gehen.

Aber wer an den Opfertod Jesu glaubt, kann sicherlich das Leiden Jesu für die sündige Menschheit viel besser nachvollziehen und schätzen.

Auch wenn sich der Film nicht unbedingt in allem an den Text der Bibel hält und in manchen Szenen gewalttätig ist, lohnt es sich diesen Film.

Der Film berechtigt mit Sicherheit nicht zu Gewalt gegenüber den Juden.

(c) Ingeborg Lüdtke

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