Parteibuchbeamte der Weimarer Republik – das Beispiel der „Landeserziehungsanstalt Bevern“

Die Sendung über die Konferenz “Pädagogik in der Gedenk- und Erinnerungsarbeit” in der Zivildienstschule Ith wurde am 17. November 2010 im StadtRadio Göttingen ausgestrahlt.

Zivildienstschule IthDie Konferenz wurde innerhalb der Veranstaltungsreihe “Gedenken und Erinnern in Südniedersachen” von der Kreisvolkshochschule Holzminden mit Unterstützung der KZ-Gedenkstätte Moringen ausgerichtet.

Die Konferenz begann mit dem Referat von Dr. Matthias Seeliger vom Stadtarchiv Holzminden:

Parteibuchbeamte in der Weimarer Republik – das Beispiel „Landeserziehungsanstalt Bevern

Je stärker das Programm einer Partei ideologisch ausgerichtet ist, desto wichtiger ist für einen langfristigen Erfolg seiner Durchsetzung das Gewinnen der heranwachsenden Generation für die Inhalte dieses Programms. Ziel und Art der Erziehung der Kinder und Jugendlichen sind dabei von großer Bedeutung. Die Nationalsozialisten schufen sich während ihrer Herrschaft mit Jungvolk und Hitler-Jugend, Jungmädelbund und Bund Deutscher Mädel Organisationen, die durch flächendeckende Erfassung der betroffenen Jahrgänge einer lückenlosen Indoktrination dienten. Die „Linksparteien“ verfügten während der Weimarer Republik ebenfalls über verschiedene Kinder- und Jugendorganisationen, deren Geschichte für den Bereich des Kreises Holzminden leider noch nicht erforscht ist. Zu nennen sind u. a. die Sozialistische Arbeiter-Jugend und die Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde mit den „Rote Falken“-Guppen. Hinsichtlich der Vorgänge in der Landeserziehungsanstalt Bevern soll aus dem linken Parteienspektrum nachfolgend nur die SPD betrachtet werden, da die Kommunisten in diesem Zusammenhang keine größere Rolle spielten.

Jahrhunderte lang hatte das Bildungswesen in den Händen der Kirchen gelegen oder war zumindest stark durch diese beeinflusst worden. Das änderte sich nach dem Ende des Kaiserreiches 1918 und dem damit verbundenen Zerbrechen des sprichwörtlichen Bündnisses von Thron und Altar. Die Parteien sahen darin, je nach ideologischer Ausrichtung, eine Chance zu neuen, eigenständigen Entwicklungen ihrer Bildungspolitik. Die Kirchen hingegen bemühten sich verzweifelt um ihren Vorstellungen wohlgesinnte Parteien, Verbände usw., mit denen sie zuweilen – aus heutiger Sicht – fragwürdige Allianzen eingingen. Jeder Streit um die „richtige“ Erziehung der Jugend beinhaltete somit automatisch eine kirchenpolitische Auseinandersetzung.

Die sozialdemokratische Presse war voll von antikirchlichen Äußerungen. So freute sich der „Volksfreund“ über 262 Kirchenaustritte während der Jahre 1928 und 1929 in den Ämtern Eschershausen, Holzminden und Stadtoldendorf; für den gesamten Freistaat gab er die Zahl nur für das Jahr 1929 mit 2.828 an. Dass in Grünenplan 68 Kinder vom Religionsunterricht abgemeldet wurden, war ihm ebenfalls eine Meldung wert. Der Verband für Freidenkertum und Feuerbestattung war ebenso im Holzmindener Raum tätig wie der Volksbund für Geistesfreiheit, und es gab einen Kreisausschuss der dissidentischen Fürsorge.

Im Streit um das Schulwesen ist ein wichtiger Grund für die antikirchliche, ja extrem kirchenfeindliche Politik der SPD im Freistaat Braunschweig während der 1920er-Jahre zu sehen. Sie veranlasste Bernd Rother zu der Frage, ob die SPD „mit dieser Haltung und ihrer Personalpolitik 1927-30 selber mit schuld am Aufstieg der Nationalsozialisten in Braunschweig“ war? Diese Personalpolitik – und ebenso jene des politischen Gegners, der NSDAP – soll im Mittelpunkt der folgenden Ausführungen stehen.

Grundlagen der Erziehung in Bevern

Das Bestehen einer Landeserziehungsanstalt während der Weimarer Republik war Abschluss einer längeren Geschichte der Nutzung des Schlosses in Bevern als „Wilhelmstift“ für die Unterbringung devianter Personen. In den letzten Jahrzehnten des Kaiserreiches war unter Direktor Otto Eißfeldt Grundzug der pädagogischen Bestrebungen in Bevern die Erziehung zur Pünktlichkeit, Ordnung, Zucht und geregelter Arbeit, alles getragen von christlichem Geiste. Die Tatsache, dass diese Zusammenfassung ein Zitat aus dem Jahre 1932 ist, lässt tief blicken – ist sie doch direkt verbunden mit der durch die bürgerliche Zeitung zu diesem Zeitpunkt vertretenen Bewertung von Eißfeldts Arbeit: Hunderte gefährdeter, junger Menschen hat er [dadurch!] auf die rechte Bahn gebracht.

Unter Eißfeldts Nachfolger, Direktor Staats, wurde im Wilhelmstift an der christlichen Grundlage der dortigen Erziehung festgehalten, allerdings richtete sich nunmehr neuzeitlicher Auffassung entsprechend die Aufmerksamkeit mehr auf die Erziehung als auf die bloße Beaufsichtigung der Insassen. Staats war sehr daran interessiert, die Erziehung nach den Forderungen moderner Pädagogik durchzuführen und knüpfte u. a. Kontakte zum Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen unter Professor Dr. Herman Nohl. Nohl kam 1922 mehrfach mit seinen Studentinnen und Studenten nach Bevern, um letzteren die Möglichkeit zu bieten, die Praxis des Anstaltslebens eingehend kennen zu lernen. Dies hätte er sicherlich nicht getan, wäre er nicht von der Qualität der im Wilhelmstift geleisteten Arbeit überzeugt gewesen. Bei aller Fortschrittlichkeit seiner pädagogischen Methodik orientierte sich Nohl hinsichtlich des Ziels der Erziehung allerdings an bürgerlich-konservativem Gedankengut, was auch für Staats galt. Im Gegenzug gab letzterer den jungen Leuten in Göttingen im Rahmen der Seminarveranstaltungen einen Einführungskursus. Eine Folge dieser Verbindung war die Bereitstellung von Praktikumsplätzen in Bevern.

Nicht nur aus pädagogischer Sicht kam es unter Staats Nachfolger zu einschneidenden Veränderungen. Direktor Gotthard Eberlein verließ, so jedenfalls die Kritik seiner Gegner, diese christliche Grundlage der Erziehung: Der letzte Direktor Eberlein brach damit. Bewusst wurde alles, was an das Christentum erinnert, beseitigt. In der Kapelle wurde die Christusstatue entfernt, zu Weihnachten wurde ein Sprechchor aufgeführt, der christlichem Empfinden hohnsprach, so dass ernst denkende Menschen die Feier verließen. Hinsichtlich dieser Vorwürfe ist festzuhalten, dass sich die zugrunde liegenden Ereignisse aus den überlieferten Akten nicht genauer beschreiben lassen. So konnten beispielsweise keine Hinweise auf die Begründung der Entfernung der Christusstatue gefunden werden. Wie allerdings in einem eigenen Abschnitt dieser Arbeit zu zeigen sein wird, vertrat Eberlein, bis 1922 evangelischer Pfarrer, mit Sicherheit nicht die Ansichten der überwältigenden Mehrheit kirchlicher Kreise im Braunschweigischen!

Ein (aber wohl kaum der entscheidende) Grund für die Zurückdrängung christlicher Inhalte bei der Erziehung war für Eberlein die überproportional große Zahl der Dissidenten unter den Zöglingen der Erziehungsanstalt. Am 8. April 1929 waren laut einer Angabe Eberleins 21 der 60 Schulkinder Dissidenten. Damals ging es um die Erteilung von lebenskundlichem Unterricht in der Anstalt, wie er an den Bürgerschulen eingeführt worden war. Fritz Ziegert schlug seitens des Kreisausschusses der dissidentischen Fürsorge dafür den Lehrer Karl Dankert vor, der bereits in Holzminden Lebenskunde unterrichtete. Dankert gehörte zu den Freidenkern und trat über Holzminden hinaus auf deren Veranstaltungen als Redner auf; 1930 war er als Weiheredner für die Jugendweihe in Delligsen im Gespräch. Mit dem Unterricht in Bevern wurde er jedoch nicht betraut, ebenso wenig Eberlein, der angeboten hatte, selbst diesen Unterricht zu übernehmen. Die Entscheidung fiel auf den Lehrer Robert Dargatz, einen Dissidenten, der im Frühjahr 1929 als Hilfslehrer nach Bevern gekommen und dort bis zum 1. Mai 1931 tätig war.

Neben ihm wurden 1931 zwei weitere Lehrer als Dissidenten bezeichnet: Lamby und Specht. Es war wohl kein Zufall, dass sie alle während des Direktorats Gustav Eberleins eingestellt worden waren. Und ebenso war es kein Zufall, dass sie unter seinem Nachfolger wieder entlassen wurden. Zunächst verließ im Frühjahr 1931 der Lehrer Lamby das Wilhelmstift. Seine Frau, die mangels passender Wohnung noch nicht mit ihrem Mann umziehen konnte, bat am 13. April 1931 um die vorübergehende Beschäftigung als Hilfserzieherin in Bevern. Dies wurde jedoch angesichts der ihr unterstellten Geistesrichtung abgelehnt.

Der Lehrer Specht war als SPD-Mitglied ab 1931 ebenfalls nicht mehr gern gesehen, blieb aber zunächst in Bevern. Im Juni 1932 sah er sich denselben Verdächtigungen des neuen Direktors ausgesetzt wie Kurt Groschopp, worüber nachfolgend noch zu berichten sein wird. Seine Entlassung erfolgte allerdings erst zum 31. August 1933 gemäß § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.

Mit diesen Angaben zur Entlassung der Dissidenten unter den Lehrern ist chronologisch bereits die Zeit von Eberleins Nachfolger, Direktor Milzer, erreicht. Inzwischen hatte auch die politische Herrschaft in Braunschweig gewechselt: dort regierte nach der Landtagswahl am 14. September 1930 eine Koalition aus DNVP und NSDAP. Am 1. Oktober jenes Jahres wurde Dr. Anton Franzen (NSDAP) zum Minister gewählt: als Innen- und Kultusminister war er knapp ein Jahr im Freistaat Braunschweig tätig, bis er, diskreditiert durch die Begünstigung eines Parteigenossen, zurücktrat. Als Minister war er insbesondere bemüht, die Maßnahmen der vorangegangenen SPD-Regierung rückgängig zu machen, gerade im Bereich des Schul- und Erziehungswesens. Wichtige Ämter besetzte er mit NSDAP- und DNVP-Mitgliedern – so auch in Bevern.

Milzer gehörte zur DNVP und war aus Sicht der neuen Machthaber schon deshalb geeignet, sein Amt als Nachfolger eines entlassenen Sozialdemokraten anzutreten. Er tat dies zum 1. April 1931. Wie er selbst später äußerte, hatte er das vorgezeichnete Ziel, wieder Ordnung, Sauberkeit in sittlicher Beziehung und Ruhe in die Anstalt zu bringen. Es sollten das System und die Geistesrichtung […] geändert und in neue Bahnen gelenkt werden. Im Februar 1933 konnte er sich rühmen, sein Ziel unentwegt verfolgt und durchgeführt zu haben. Seinen Erfolg begründete er u. a. mit der Feststellung: Hetzende und Unruhe stiftende Erzieher sind weder unter den Herren noch unter den Damen mehr vorhanden.

Natürlich griff ihn die sozialdemokratische Presse nach seiner Ernennung scharf an. Der Volksfreund schrieb: Herr Milzer ist in politischer Hinsicht schon mannigfach hervorgetreten. Er ist seit Jahren ein führender Mann bei den Deutschnationalen und betätigt sich besonders auf dem Gebiete der Kommunalpolitik. Bei allen fortschrittlich eingestellten Menschen gilt Herr Milzer schon seit Jahren als die Personifizierung engstirnigster Reaktion. Der Landtagsabgeordnete Karl Poth aus Holzminden schimpfte, Milzer sei Parteibuchbeamter – damit hatte er zwar recht, unterschlug allerdings die Tatsache, dass man auch den Vorgänger Eberlein als solchen bezeichnen konnte.

Schon diese knappen Angaben zu den Direktoren des Wilhelmstifts verdeutlichen, wie stark die Ziele der Erziehung sowie die konkrete pädagogische Arbeit von den handelnden Personen und deren weltanschaulicher Einbindung abhängig waren. Welche Aufbruchstimmung und zugleich verworrene Situation in der Weimarer Republik herrschte, ist bereits aus der Tatsache abzuleiten, dass Eißfeldt 35 Jahre Direktor in Bevern war, während in der relativ kurzen Zeit von 1919 bis zur Schließung der Anstalt im Herbst 1933 drei Männer – je nach herrschender politischer Konstellation – diesen Posten innehatten.

Angesichts dieser Feststellung lohnt es sich zweifellos, nachfolgend intensiver den Blick auf einige der damals in der Landeserziehungsanstalt tätigen Personen zu richten.

Direktor Gotthard Eberlein

Nicht nur angesichts seiner exponierten Stellung als Direktor ist Gotthard Eberlein an erster Stelle zu betrachten. Mit seiner Person ist auch besonders deutlich zu zeigen, wie sowohl die Anstellung als auch die Entlassung unter politischen Vorzeichen geschahen – zumal es sich bei der Leitung des Wilhelmstifts nicht um seine erste Tätigkeit im Freistaat Braunschweig handelte: Bereits von 1923 bis 1926 war er Wirtschaftsinspektor und leitender Erzieher des Schülerheims der staatlichen Realschule in Seesen. Anfang und Ende dieser Tätigkeit waren ebenso wie die Vorgeschichte so kennzeichnend, dass zunächst darüber berichtet werden muss. Schon der Weg, auf dem sich Eberlein ohne eigenes Wissen in Braunschweig bekannt machte, war aufschlussreich. Der braunschweigische Landesschulrat Dr. Ernst Stoelzel, Vorsitzender des Landesschulamtes für das höhere Schulwesen, war laut eigener Angabe auf ihn durch einen „Vorwärts“-Artikel aufmerksam gemacht worden. Wie kam es, dass über Eberlein in der Presse berichtet wurde? Durch einen Skandal!

Der am 8. Oktober 1885 in Royn, Kreis Liegnitz, geborene Sohn eines Superintendenten hatte in Breslau und Halle Theologie, Philosophie und Volkswirtschaft studiert. Nach dem Studium war er von 1910 bis 1922 evangelischer Pfarrer an der St. Gertrudkirche in Stettin. In dieser Arbeitergemeinde wendeten sich Eberlein und sein Kollege Otto Buchholz besonders der Jugendarbeit zu und gelangten zu einer aus ihrer Sicht verständlichen und notwendigen, bewussten, positiven Stellung zum Proletariat, verbunden mit der aktiven Beteiligung an der sozialdemokratischen Partei und der Arbeiterbewegung. Bereits 1912 wurde ein Verein „Freunde der Jugendpflege […]“ gegründet, der ab 1917 eine Ortsgruppe der Sozialen Arbeitsgemeinschaft Berlin-Ost bildete. Der Vorsitzende dieser Ortsgruppe urteilte 1923: Eberlein war bemüht, der Jugend seiner Gemeinde ein Wegweiser zu selbständigem Menschentum zu sein. Die folgende Angabe von Otto Buchholz aus dem Jahr 1923 dürfte sich vor allem auf die Zeit ab 1919 beziehen: So gelang es uns z. B. bei der Neuwahl der kirchlichen Gemeindekörperschaften eine sozialistische Mehrheit zustande zu bringen. Wir verweigerten ferner als einzige Gemeinde Pommerns aus religiösen Gründen das Glockenläuten bei der Beerdigung der ehemaligen Kaiserin. Auch sprachen Eberlein und ich auf Einladung des öfteren in sozialistischen Volksversammlungen.

Zugleich beschäftigte Eberlein sich ausgiebig […] mit den modernen pädagogischen Fragen, war auch Mitglied im Bund der Entschiedenen Schulreformer. Studienrat Dr. Tacke in Stettin bezeichnete ihn Anfang 1923 als einen der Männer, die den Mut bereits 1919 fanden, eine entschiedene Umstellung zu allen Schulfragen zu fordern. Eine andere Beurteilung aus jenen Tagen lautete: An seiner Auffassung der Jugendpflege hätte ich nur auszusetzen, dass er sie, seiner gutherzigen fröhlichen Natur entsprechend, zu sehr als eine Art von Erholung für die Jugendlichen aufzieht und vielleicht zu wenig berücksichtigt, dass man diese nicht nur angenehm, sondern in erster Linie nützlich und zwar so beschäftigen soll, dass sie für das tägliche Leben brauchbare Fähigkeiten erwerben.

Sowohl innerhalb der Gemeinde als auch beim vorgesetzten Ev. Konsistorium der Provinz Pommern wurde diese Entwicklung sehr misstrauisch beobachtet. Gerüchte über Beziehungen Eberleins zu einem jungen Mädchen, das dem von ihm geleiteten Jugendklub angehörte, wurden daher offenbar bereitwillig aufgegriffen und sollten zu einem Ermittlungsverfahren führen. Dem Pastor, der sich längst innerlich von seinem Amt distanzierte, reichte es nun: er verzichtete auf die Rechte des geistlichen Standes und legte am 28. Juli 1922 sein Amt nieder. Zum 1. April 1923 tat dies ebenfalls sein Kollege Otto Buchholz, dem inzwischen ein Verhältnis mit der Frau Eberleins nachgesagt wurde. Gemeinsam rechtfertigten beide sich in einer Druckschrift mit dem Titel Wir Ausgestoßenen. Der Abschied zweier sozialistischer Pfarrer von der Kirche.

Wenn der Landesschulrat 1923 diesen Mann in den Freistaat Braunschweig holte, war dies zweifellos auch eine politische Entscheidung. Kritik ließ nicht lange auf sich warten – sie kam ebenso vom Landeskirchenamt in Wolfenbüttel wie auch von der Elternvereinigung der Jacobsonschule in Seesen: Eberlein wurden recht eigenartige Äußerungen im Religionsunterricht nachgesagt; Landesbischof Bernewitz fragte den Volksbildungsminister süffisant, ob er es wünsche, die Jugend des Landes zum Kommunismus erzogen zu sehen? Der Landesschulrat stellte sich vor Eberlein; politisch rechnete er ihn zur USPD. In der Folgezeit war es allerdings Eberlein selbst, der tatsächlich Anlass zur Kritik bot, und zwar hinsichtlich der Erledigung seiner dienstlichen Angelegenheiten. Zum 1. April 1925 wurde ihm daher die Leitung des Alumnats entzogen – er wurde dem Direktor der Schule unterstellt. Zum 1. Oktober 1926 wurde ihm im Rahmen allgemeiner Sparmaßnahmen gekündigt, und er übernahm die Leitung eines privaten Schülerheims in Schwedt/Oder.

Ein zweites Mal bewarb sich Gustav Eberlein um eine Stelle im braunschweigischen Staatsdienst, als er vom Freiwerden der Direktorenstelle im Wilhelmstift hörte. Am 1. November 1928 begann seine Tätigkeit in Bevern. Schon bald stieß er dort auf Gegnerschaft, die zwar in vielen Fällen politisch motiviert, aber auch inhaltlicher Art bezüglich der pädagogischen Richtung sein konnte – sogar der dissidentische Lehrer Dargatz musste schon Anfang 1930 bezüglich des Verhältnisses zwischen Kollegium und Direktor zugeben: Wir waren uns nur oftmals sachlich nicht einig, was unser Zusammenarbeiten dann störte. Wie sollten die Erzieherinnen und Erzieher auch mit Äußerungen ihres Vorgesetzten umgehen, wenn dieser z. B. auf einer Tagung der Freien Lehrergewerkschaft zum Thema Kinderfehler und soziales Milieu in Braunlage am 4. Januar 1930 in einem Vortrag über Verwahrlosung und Gesellschaft feststellte: Asozial sind junge Menschen infolge ihrer besonderen Jugenderlebnisse im elenden sozialen Milieu. Gerade die „Verwahrlosten“ sind die schlechtesten Elemente nicht. Unbewusst lebt in jedem der Instinkt des Empörers, der, richtig geleitet, in die Reihe der Klassenkämpfer führen könnte. Und zum Thema „Verwahrlosung“ führte er weiterhin aus: Leider werden noch vielfach dafür moralische Wertmaßstäbe herangezogen. Lebensfremde Menschen urteilen nach einer Moral, die im wirklichen Leben kaum vorkommt. Das Milieu, aus dem Erzieher und Leiter privater kirchlicher Anstalten stammen, ist das kleinbürgerliche Milieu.

Für die bürgerliche Kritik waren solche Vorstellungen untrennbar verbunden mit Eberleins politischer Einstellung: sie sah in ihm den neuen sozialdemokratischen Direktor. Dazu passte, dass er öffentlich in Bevern auf einer Versammlung der SPD gegen den Nationalsozialismus agitierte. Wenn er wenige Monate nach Eintritt der Nationalsozialisten in die Regierung in den Ruhestand versetzt und diese Maßnahme in einem Dienststrafverfahren sogar später in eine Dienstentlassung umgewandelt wurde, könnte man in ihm ein frühes Opfer der Verfolgung Andersdenkender vermuten. Dazu passt allerdings nicht die Tatsache, dass das Dienststrafverfahren bereits Anfang August 1930 unter dem 1940 im KZ Mauthausen umgekommenen Innenminister Gustav Steinbrecher (SPD) eröffnet worden war. Vielmehr war es erneut die, wie Hans-Windekilde Jannasch es ausdrückte, unheilvolle Schwäche dem weiblichen Geschlecht gegenüber, die ihn in Schwierigkeiten brachte. Im konkreten Fall waren es die Anschuldigungen einer nur dreieinhalb Monate im Wilhelmstift tätigen Stenotypistin, die Eberlein belasteten. Und als sich in der Untersuchung viele der angeblichen Enthüllungen über die Zustände in der Landeserziehungsanstalt als erheblich übertrieben herausstellten, blieb schließlich von allen Beschuldigungen nur das eigenartige Benehmen des Angeklagten seiner Sekretärin gegenüber bestehen. Auffallend ist in diesem Zusammenhang, dass die Angestellte wegen Streitigkeiten um die Höhe ihres Lohns zum 1. August 1930 kündigte, dieserhalb auch Klage beim Arbeitsgericht einreichte und dann am 4. August nach Braunschweig fuhr, um dort bei der Regierung ihre Beschwerden über Eberlein vorzubringen.

Wenn seinerzeit schon die Berechtigung einzelner Vorwürfe nicht einwandfrei geklärt werden konnte, vermag es der Historiker heute erst recht nicht. Der Anteil politischer Animosität an der Dienstentlassung Eberleins ist also nicht mehr festzulegen. Eindeutig politisch motiviert waren jedoch die anschließenden Versuche, ihm auch außerhalb Beverns das Leben so schwer wie möglich zu machen. Als er in Berlin sein Geld mit einer Buchhandlung und Leihbücherei zu verdienen suchte, geriet er dort in das Visier von Reichsschrifttumskammer und Kreisleitung. Nachfolgend sei aus einem in diesem Zusammenhang entstandenen Schreiben des Ortsgruppenleiters Meyer in Bevern vom 9. August 1934 zitiert: Es freut mich ganz besonders von diesem Marxistenhäuptling einmal etwas wieder zu hören. Eberlein ist ein Mensch der weit über die Grenzen des Braunschweiger Landes bekannt ist, einmal als großer Marxist und zweitens als ein Mensch, welcher heute nicht mehr in die menschliche Gesellschaft hineingehört. […] Jedenfalls nenne ich Eberlein von mir aus als ein ausgesprochenes verkommenes Subjekt. Ich würde es sehr begrüßen, diesen[!] großen Gegner der NSDAP endlich von dort aus das Handwerk zu legen. Offenbar gelang es Eberlein jedoch, einigermaßen unbehelligt die Jahre bis 1945 zu überstehen – anschließend begann für ihn eine zweite Karriere in der Ostzone, die er 1959 mit der Übersiedlung in die BRD beendete.

Bruno Friedrich

Wurde mit Gotthard Eberlein ein exponierter Vertreter des linken Lagers betrachtet, ist nunmehr das Augenmerk auf Bruno Friedrich, einen der führenden Nationalsozialisten in Bevern zu Beginn der 1930er-Jahre, zu richten. Er kam unter Eberleins Nachfolger Milzer nach Bevern: sein Dienstantritt im Wilhelmstift datiert auf den 21. September 1931. Dass hierbei weniger pädagogischen Fähigkeiten als seine politische Überzeugung eine Rolle spielten, wurde schnell deutlich. Schon drei Wochen später griff die sozialdemokratische Presse in Braunschweig diese Personalsache auf und teilte den Lesern – nicht zu Unrecht – mit, Friedrich sei strammer Nationalsozialist.

Der am 15. Februar 1896 in Derschlag (Gummersbach) geborene Bruno Friedrich war ein fanatischer Nationalsozialist der ersten Stunde, einer der wirklich „alten“ Kämpfer: Mitgliedsnummer 13.210, Ortsgruppe München. Im Juli 1923 war er zum Deutschen Turnfest nach München gereist, wo u. a. Hitler eine Rede vor Turnern hielt – begeistert schloss er sich dessen Forderungen an und versuchte anschließend im Oberbergischen Land, gleich gesinnte Volksgenossen organisatorisch zu erfassen. Am 1. März 1924 leitete er eine nationalsozialistische Versammlung in Gummersbach, was ihm wegen der dort durch den Redner vorgebrachten Beleidigungen des Reichspräsidenten Ebert ein gerichtliches Verfahren einbrachte. In verschiedenen Orten als Lehrer tätig, scharte er eine Reihe von Gesinnungsgenossen um sich, die teilweise eingetragene Mitglieder der Ortsgruppe München waren. Über die Liste des Völkischsozialen Blocks wurde er 1924 Stadtverordneter in Gummersbach.

Nachdem er am 7. März 1929 in Ehrentalsmühle, seinem damaligen Dienstort, eine Schulfeier in den Dienst nationalsozialistischer Parteiwerbung gestellt und am 28. Juni 1929 in Opsen in öffentlicher Versammlung die deutsche Republik und ihre Leiter geschmäht hatte, wurde er vom Amte suspendiert. Ungeachtet dieser Tatsache trat er weiterhin als nationalsozialistischer Agitator auf, so am 25. November 1930 in Oberkassel und Ende Januar 1931 gleich zweimal in Honnef. Seine endgültige Entlassung aus dem preußischen Schuldienst erfolgte (nach weiteren Vorfällen) Anfang 1931. Die aus seiner Sicht wegen meiner Betätigung in der NSDAP erfolgte Entlassung bildete im nationalsozialistisch regierten Braunschweig gewissermaßen eine Empfehlung, und ein halbes Jahr später gelangte Friedrich – zunächst als Hilfslehrer, ab 15. Dezember 1932 als Lehrer – in den braunschweigischen Schuldienst.

Kurz darauf konnte die sozialdemokratische Presse bereits berichten: Kaum war er drei Tage in Bevern, da hatte er nichts Eiligeres zu tun, als dort eine nationalsozialistische Versammlung zu inszenieren. Als am Sonntag in Bevern eine öffentliche sozialdemokratische Versammlung stattfand, trat Herr Friedrichs[!] als Diskussionsredner für die Nazis auf. Angeblich rühmte er sich damals, schon in etwa 1000 Hakenkreuzversammlungen als Redner für Adolf Hitler aufgetreten zu sein.

Friedrich wirkte, wie sich den Quellen deutlich entnehmen lässt, tatsächlich keineswegs nur als Pädagoge im Wilhelmstift, sondern betätigte sich in dieser von den Nationalsozialisten später so bezeichneten „Kampfzeit“ vor allem agitatorisch. So sprach er bereits am 2. Oktober 1931 auf einer Versammlung in Halle, wo an diesem Tage die örtliche SA gegründet wurde. Ebenfalls für den Oktober 1931 sind Auftritte als Redner während nationalsozialistischer Versammlungen in Bevern, Eschershausen, Merxhausen, Stadtoldendorf und Warbsen belegt. Aus seiner Rede in Stadtoldendorf hob die Presse die Äußerungen zur Rassenfrage und sein Verdikt, dass eine Rassenmischung ein Verbrechen sei, besonders hervor. Über weitere 14 Auftritte in den nächsten Monaten bis zur Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932 liegen Zeitungsberichte vor. Ende 1932 findet er sich im Gauredner-Verzeichnis des Gaues Südhannover-Braunschweig verzeichnet, was als Bestätigung ebenso seiner rhetorischen Fähigkeiten wie seines eifrigen Einsatzes für die Partei zu werten ist. Im April 1932 wurde er als Redner im Wahlkampf um Preußen eingesetzt. Sogar als Kandidat für die Reichstagswahl am 6. November 1932 stellte er sich der Partei zur Verfügung.

Direktor Milzer beurteilte Friedrich ein knappes Vierteljahr nach Dienstantritt u. a. so: Auftreten forsch, seinem rheinischen Naturell entsprechend. […] Scheint Kampfnatur zu sein und scheut Zusammenstöße nicht. […] Sein Auftreten in Versammlungen findet nur bei denen Missfallen, die früher hier die Macht in der Hand hatten. Eine ganz natürliche Erscheinung. Seitens der SPD in Bevern wurden ihm Aussprüche wie dieser nachgesagt: Wenn Adolf Hitler Reichspräsident ist, gehören die ersten 24 Stunden der SA, dann wird auch der Artikelschreiber aus dem Grünen Wege aus dem Hause geholt.

1932 wurde Friedrich wegen öffentlicher Beleidigung zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er den Landtagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden der SPD Poth als Parlamentswanze bezeichnet und von seinem Wasserkopf und seiner weichen Birne gesprochen hatte. Auf diesen Prozess soll hier nicht näher eingegangen werden; erwähnt sei aber, dass Friedrich seine Strafe nie bezahlte, sondern Berufung einlegte und das Verfahren dann nach Erlass des Amnestiegesetzes eingestellt wurde, da – wie es im Beschluss hieß – die Tat vorwiegend aus politischen Beweggründen […] begangen ist.

Das freiwillige Ausscheiden Friedrichs aus dem braunschweigischen Staatsdienst zum 16. Juni 1933 beruhte auf einem Karrieresprung: er war zum Leiter der neuen preußischen Landesführerschule I in Königswinter ernannt worden. „Zu verdanken hatte er seine Position sicherlich Robert Ley, den er seit Mitte der 1920er Jahre kannte.“ Die Schule war in den folgenden Jahren „ein ständiger Herd von Provokationen und Angriffen gegen die katholische Bevölkerung“ in Königswinter: Mit mancherlei Aktionen brachte Friedrich seine antikirchliche Haltung zum Ausdruck. Im Februar 1935 kam es deshalb sogar zum „Einspruch des Kölner Generalvikariats beim Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz gegen die Tätigkeit des Pg. Friedrichs[!], des Leiters der Landesführerschule in Königswinter“ – er blieb unbeantwortet.

Heinz Wiegand

Neben Friedrich war es der Erziehungsinspektor Heinz Wiegand, der den Nationalsozialismus im Wilhelmstift, in Bevern und im Kreis Holzminden förderte. Er kam etwa zeitgleich mit Direktor Milzer nach Bevern und dürfte ebenso wie er seine Stellung seinem Parteibuch verdankt haben. Ebenso wie Friedrich war er propagandistisch im Kreisgebiet sowie in benachbarten Orten tätig: erstmals findet sich sein Name anlässlich einer Veranstaltung am 2. Oktober 1931 in Dielmissen erwähnt. Bis Anfang 1933 trat er als Redner u. a. auf in Bevern, Holzminden, Meinbrexen, Mühlenberg, Stahle (Kreis Höxter) und Wenzen (Kreis Gandersheim). 1932 war er Ortsgruppenleiter in Bevern. Gemeinsam mit Lehrer Bosse versuchte er, junge Leute zur SA anzuwerben. Landtagsabgeordneter Poth kritisierte 1932, Wiegand sei mehr auf dem Parteibüro als in Bevern.

Über seine Aufgabe urteilte die Oberweser Volkszeitung: Nun weiß man allerdings auch im Ort, dass Wiegand nicht etwa zur Erfüllung seiner dienstlichen Verpflichtungen von dem früheren Naziminister Franzen nach Bevern geschickt wurde, sondern dass er den Parteiauftrag erhalten haben soll, die marxistisch verdächtigen Angestellten am Wilhelmstift zu bespitzeln und brotlos zu machen. Und wenige Tage später war in der Zeitung zu lesen: Wiegand und Friedrich, die nach hier gekommen sind, um die „Roten“ auszurotten, haben in der Praxis gezeigt, wie die „Musterwirtschaft“ des 3. Reiches aussehen wird. Die Väter von 11 Kindern sind bis jetzt brotlos gemacht, ohne die vielen Ledigen zu nennen. Gerade der letzte Abbau des Genossen Hiekel hat bis weit in die bürgerlichen Kreise die hellste Empörung hervorgerufen. Natürlich ist auch diese Angabe Propaganda, und die Zahlenangaben wurden für den vorliegenden Beitrag nicht überprüft. Wie diese „Praxis“ der Nationalsozialisten jedoch aussah, sei nun am Beispiel zweier Mitarbeiter des Wilhelmstiftes gezeigt.

Kurt Groschopp

Für den am 19. Januar 1902 in Chemnitz geborenen Wohlfahrtspfleger Kurt Groschopp lässt sich deutlich den Akten entnehmen, dass sowohl seine Anstellung in Bevern als auch die spätere Entlassung vorrangig von seiner politischen Einstellung abhingen. Zum 1. November 1929 kam er als (Hilfs-)Erzieher in die Landeserziehungsanstalt, also während des Direktorats Gotthard Eberleins.

Betrachtet man die von Groschopp zu den Akten gegebenen Unterlagen, scheint für Eberleins Entscheidung vor allem die Beantwortung einer von ihm gestellten Frage ausschlaggebend gewesen zu sein: Haben Sie mit der Proletarierjugend irgendwelche Fühlung? Groschopp verwies auf seine Herkunft aus dem Proletariat, wenngleich er zugeben musste, in seiner Familie keine milieuechte Erziehung genossen zu haben – vielmehr hatte er sich zunächst der Wandervogelbewegung angeschlossen. Seine Berufswahl begründete er dann aber mit der Hilfeleistung der Proletarierjugend gegenüber. Laut eigener Angabe führte er in der dienstfreien Zeit […] eine große Anzahl Arbeitsgemeinschaften in den Ostthüringer Gruppen der Soz. Arbeiter-Jugend durch. Zu deren Erfolg äußerte er sich Eberlein gegenüber: Das immer dringendere Anfordern um die Abhaltung der Abende bestätigte mir die Beliebtheit derselben. Im Sommer 1929 hatte er am vierwöchigen Zeltlager der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde in Probstzella teilgenommen und hob dazu besonders hervor: Als Vorsitzender des Lagerparlamentes hatte ich wiederum reichlich Gelegenheit, die Gedankenwelt der Proletarierjugend in einer eigenen, selbstverantwortlichen Umwelt kennen zu lernen.

Im Dezember jenes Jahres, also nach seiner bereits erfolgten Anstellung, ließ er sich dazu noch besondere Bestätigungen ausstellen. So bescheinigte ihm die örtliche Organisation der Reichsarbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde in Ronneburg, dass er mit einer Gruppe der Ronneburger „Rote Falken“ an dem Zeltlager in Probstzella teilgenommen hat und dabei seine Funktionen zu unserer vollsten Zufriedenheit erfüllte. Mit einem weiteren Schreiben aus Ronneburg konnte Groschopp belegen, dort von Januar bis März 1929 den Vorbereitungsunterricht der Jugendweihlinge unseres Agitationsbezirkes gegen Bezahlung zu unserer vollsten Zufriedenheit durchgeführt zu haben.

Dass dieser Mann ins Visier der Nationalsozialisten geriet, verwundert nicht. 1931/1932 erfolgten offenbar mehr oder weniger kontinuierlich Sticheleien seines Kollegen Wiegand gegen ihn, von denen beispielsweise folgende Meldung zu den Akten genommen wurde: Der Hilfserzieher Groschopp kam heute morgen mit seiner Abteilung fünf Minuten zu spät zum Antreten. Bevern, den 8. Januar 1932. Wiegand. Füllten allmählich solche Lappalien die Akte, ohne dass sie zu schwerwiegenden Konsequenzen führten, fand sich im Frühjahr 1932 Anlass zu einer weiteren Denunziation, die nun den Dienstweg bis zum Minister für Inneres und Volksbildung, Dietrich Klagges, nahm: Bevern, den 8. April 1932. An den Herrn Direktor der Landeserziehungsanstalt Wilhelmstift Bevern. Als vor einiger Zeit die Vertretung des beurlaubten Praktikanten Krauß erörtert wurde, wandte sich der Hilfserzieher Groschopp heftig dagegen, dass diese Vertretung durch Mehrleistung des anderen Personals erledigt würde. Er gebrauchte dabei die Äußerung: „Ich habe keine Lust, für Klagges Gnaden mehr Dienst zu schieben, um mir die Nerven kaputt zu machen.“ Wir erblicken in dieser Äußerung einen Versuch, unseren vorgesetzten Herrn Minister herabzusetzen und bringen sie deshalb zur Meldung. P. Timmermann Koß Schmidt Wegener.

Klagges äußerte sich am 10. Mai selbst dem Wilhelmstift gegenüber: Es ist zu meiner Kenntnis gekommen, dass der dortige Hilfserzieher Groschopp über mich unangemessene Äußerungen getan haben soll. Dessen Tage in Bevern waren nun offenbar gezählt. Das Fass zum Überlaufen brachte wenig später ein Leserbrief in der sozialdemokratischen Oberweser Volkszeitung über skandalöse Zustände in der Fürsorgeanstalt Bevern, unterzeichnet von der örtlichen SPD. Am 9. Juni 1932 wurde Groschopp von Direktor Milzer dienstlich befragt, ob ihm dieser Artikel vor Drucklegung bekannt gewesen sei und ob er ihn billige? Milzer tat dies, weil er Groschopp als Mitglied der SPD in Bevern für mitverantwortlich hielt, wobei er den Vorwurf äußerte, der Artikel enthalte grobe Entstellungen und Unwahrheiten.

Groschopp verneinte die Fragen Milzers – ob dies der Wahrheit entsprach, ist der Akte natürlich nicht zu entnehmen. Aber seine Zeit in Bevern war endgültig abgelaufen. Am 28. Juni 1932 wurde der Landeserziehungsanstalt mitgeteilt: G. ist nach Weisung des Herrn Ministers Klagges zu kündigen zum nächst zulässigen Termin. Das war der 30. September 1932. Ab dem 16. August wurde Groschopp bereits beurlaubt und durfte insofern nicht mehr seiner Arbeit nachgehen. Auch diese Beurlaubung war (telefonisch) mit Klagges persönlich geklärt worden. Hinzuweisen ist darauf, dass Groschopp mit seiner Familie, da er zunächst keine Ersatzwohnung finden konnte, noch bis zum 1. April 1933 in seiner Dienstwohnung bleiben durfte.
Johannes Hiekel

Wesentlich länger als Groschopp war der am 12. Oktober 1901 in Dresden geborene Büroangestellte Johannes Hiekel im Wilhelmstift tätig: neuneinhalb Jahre. Seit dem 1. Oktober 1923 in Bevern angestellt, erhielt er im Sommer des folgenden Jahres bereits eine sehr positive Beurteilung durch die Direktion: Ihm wurde bescheinigt, dass er sich sehr gut in den vielseitigen Büro- und Kassendienst des Wilhelmstiftes hineingearbeitet hat und seinen verantwortungsvollen Dienst mit großem Eifer und unbedingter Zuverlässigkeit versieht. Sogar das angesichts seiner Entlassung Ende 1932 von Direktor Milzer ausgestellte Zeugnis war ebenso positiv: Hiekel liegt die Aktenführung der Anstalt ob, der er sich mit besonderem Geschick unterzogen hat. Seinen Dienst versieht er pünktlich und gewissenhaft. […] Über seine dienstliche Führung ist nichts Nachteiliges zu sagen.

Neben seiner Verwaltungstätigkeit spielte Johannes Hiekel aber noch eine andere Rolle im Leben der Anstalt sowie darüber hinaus: er engagierte sich stark im musischen Bereich. 1927 gab er an, bereits seit mehreren Jahren Mitglied im Deutschen Arbeiter-Sängerbund zu sein und nebenberuflich als Chordirigent zu wirken. Letztere Angabe bezog sich – außerhalb des Wilhelmstifts – auf den Arbeitergesangverein Brunonia in Bevern. Welche Ausbildung ihn dazu befähigte, ist seiner Personalakte nicht zu entnehmen. Belegt ist jedoch seine aktive Weiterbildung: so erhielt er vom Wilhelmstift Sonderurlaub vom 10. bis 19. Oktober 1927, um an einem Kursus an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg teilnehmen zu können.

In der Jugendarbeit der SPD setzte er ebenso seine musikalischen Fähigkeiten ein. Von seinem Arbeitgeber kritisch beobachtet, führte er im Auftrag der Unterbezirksleitung am 5. und 6. März 1932 in Bevern eine Arbeitstagung der Arbeiter-Jugend und Kinderfreunde durch, an der etwa 50 Jungen und Mädchen teilnahmen. Das Thema des Kurses lautete: Volkslied und Volkstanz. Es wurden ebenso Frühlingslieder (Kanons sowie ein- und mehrstimmige Gesänge) eingeübt wie verschiedene Volkstänze. Damit unterschied sich der Inhalt der Veranstaltung offenbar kaum von dem einer vergleichbaren Singwoche der bürgerlichen Jugendmusikbewegung!

Gleiches gilt für Hiekels Aktivitäten an seinem Arbeitsplatz. Auch hierzu ist es die sozialdemokratische Tageszeitung, die uns die Informationen überliefert, nicht die von politischen Streitigkeiten zeugende Personalakte! Im Bericht über die Weihnachtsfeier 1931 im Wilhelmstift wurden die im Spiel erklingenden alten volkstümlichen Melodien der kleinen Sänger und des Hausorchesters […] unter Hans Hiekels Leitung erwähnt. Als Hiekels anstehende Entlassung bekannt wurde, urteilte die Zeitung mit Bezug auf die jugendlichen Zöglinge in Bevern: Sie haben es ihm nicht vergessen, dass er es war, der in hohem Maße mithalf, das Einerlei des Anstaltslebens farbig zu mischen. Viele Feierstunden, manches Konzert und manche Bühnenaufführung verdanken sie ihm, und gern gedenken sie der Stunden, in denen ihnen ein Hiekel Freude im Chorsingen bereitete. (Ob wirklich jeder der Jugendlichen Freude am Chorsingen hatte, sei hier nicht näher untersucht.)

Wenn für diesen Mann im Oktober 1932 wiederum Innenminister Klagges persönlich die fristgerechte Kündigung sowie die möglichst sofortige Beurlaubung anordnete, konnten dafür nicht dienstliche Verfehlungen die Ursache sein. Es gab auch tatsächlich nur einen Grund: Hiekel war Sozialdemokrat!

Wieder war es der bereits in Zusammenhang mit der Entlassung Kurt Groschopps genannte Mitarbeiter Paul Timmermann aus Hellental, der gezielt mit einer Denunziation den Stein ins Rollen brachte. Am 26. Juli 1932 konnte er, natürlich auf dem vorgeschriebenen Dienstweg (An den Herrn Braunschweigischen Minister des Innern durch den Herrn Direktor der Landeserziehungsanstalt „Wilhelmstift“), Minister Klagges mitteilen: In der vergangenen Woche brachte der Tägliche Anzeiger eine Mitteilung über das vom Herrn Braunschweigischen Minister des Innern ausgesprochene Verbot des „Volksfreundes“ und seiner Kopfblätter. Als ich die Zeitung las, kam der Büroangestellte Hiekel hinzu. Wir kamen ins Gespräch. Er erklärte wörtlich: „Das ist eine Gemeinheit!“ Der Büroangestellte Hiekel hat damit eine Amtshandlung des uns vorgesetzten Ministers in herabsetzender Weise kritisiert. Er hat eine beleidigende Äußerung gegenüber dem Herrn Braunschweigischen Minister des Innern getan. Ich halte mich dienstlich für verpflichtet, diesen Vorfall zur Meldung zu bringen. Paul Timmermann. – Von der Tatsache der Denunziation ganz abgesehen: es ist auch die in den Formulierungen enthaltene Speichelleckerei, die diese Meldung für den heutigen Leser so abstoßend macht.

Vom Direktor zu diesem Vorkommnis befragt, versuchte Hiekel abzuwiegeln. Er zweifelte an, überhaupt den zitierten Ausdruck gebraucht zu haben. Die weiteren Ausführungen zeigten wenig Solidarität mit seinen Parteigenossen: Jedenfalls bezog sich meine abfällige Äußerung nicht etwa auf die Amtshandlung des Ministers, sondern auf die Torheit der Volkszeitung, die ja ein Verbot herausfordern musste. […] Übrigens habe ich meine Meinung, dass das Verhalten der Oberweser Volkszeitung eine Torheit war, auch in Parteikreisen der SPD vertreten und stehe noch heute auf demselben Standpunkte.

In den folgenden Wochen wurde ohne Ergebnis versucht, den Wahrheitsgehalt der unterschiedlichen Aussagen zu prüfen. Hiekel und Timmermann blieben bei ihrer jeweiligen Version. Mit Timmermann sprach Innenminister Klagges sogar persönlich, als er am 14. Oktober 1932 in Bevern weilte, und ließ sich von ihm noch einmal dessen Version bestätigen. Inzwischen war ein weiterer gegen Hiekel gerichteter Vorwurf aktenkundig geworden: Der Landwirt Friedrich Höltje aus Bevern beschuldigte ihn in einem Brief an Klagges vom 19. September 1932, gemeinsam mit einem weiteren SPD-Mitglied, Heinrich Raulfs, Urheber der Berichte über das Wilhelmstift in der Oberweser Volkszeitung zu sein. Hiekel bestritt in seiner Vernehmung am 7. Oktober sowohl, Material über die Anstalt an die Oberweser Volkszeitung geliefert, als auch gemeinschaftlich mit Raulfs unwahre und tendenziöse Artikel über die Anstalt verfasst zu haben. Vergeblich: am 21. Oktober 1932 verfügte Klagges die Kündigung, und auf Nachfrage teilte Direktor Milzer Hiekel mit, dass leletzterer den Grund seiner Kündigung in einer ungehörigen Äußerung über den Herrn Braunschweigischen Minister des Innern zu suchen habe.

Allerdings erfolgte offenbar nicht die von Klagges angeregte sofortige Beurlaubung, weshalb Hiekel auch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Deutschen Reich noch bis zum 31. März 1933 in der Landeserziehungsanstalt Bevern tätig war. Während seiner letzten Arbeitstage bot er damit für fanatische Nationalsozialisten im Wilhelmstift noch eine Zielscheibe, deren Hilflosigkeit angesichts der inzwischen eingetretenen Verfolgungslage der Sozialdemokratie sie schamlos ausnutzen konnten.

Konkret war es der Lehrer Bosse aus Bevern, der am 13. März Hiekel während eines Gesprächs ins Gesicht schlug. Bosse war überzeugter Nationalsozialist, dem die Oberweser Volkszeitung u. a. vorwarf, sein Amt dafür zu nutzen, gemeinsam mit Wiegand junge Leute für die SA anzuwerben. Inhaltlich ging es bei dem Gespräch um einen Streit, den Bosse einige Tage zuvor mit dem bereits erwähnten Heinrich Raulfs gehabt hatte. Hiekel schilderte den Vorfall folgendermaßen: […] Hierauf schlug mich Herr Bosse ins Gesicht mit den Worten: Sie lügen genau so, wie Ihre Presse, jedes Wort, das Sie sagen, ist eine Lüge usw. Es fielen dann noch Worte wie: rotes Gesindel, Halunken, Verbrecher usw. Außerdem gebrauchte Herr Bosse folgenden Satz: Mit Ihnen werden wir abrechnen, und sprechen Sie noch ein Wort (über mich?), dann kann ich für Ihr Leben keine Gewähr übernehmen.

Aufschlussreich bezüglich des Verkennens der inzwischen eingetretenen bedrohlichen Situation seitens der SPD ist die Tatsache, dass Hiekel mit der Meldung dieses Vorfalls die Hoffnung auf Untersuchung und Ahndung verband. Aus heutiger Kenntnis der Ereignisse jener Monate muss nicht besonders darauf hingewiesen werden, dass bei Taten wie der des Lehrers Bosse damals für den Angreifer keine Sanktionen zu befürchten waren!

Womit sich Hiekel in der NS-Zeit seinen Lebensunterhalt verdiente, konnte nicht ermittelt werden. Bis September 1937 wohnte er noch in Holzminden, dann verzog er nach Worms. Am 2. Mai 1939 verließ er mit seiner Familie Worms, um nach Koblenz zu ziehen. Von 1945 bis 1977 lebte er abermals in Holzminden.

Paul Timmermann

Fast nichts wissen wir über den in beiden Fällen maßgeblichen Denunzianten Paul Timmermann. Beim Eintritt in Bevern im Frühjahr 1932 als früherer Schulamtsbewerber bezeichnet, wurde er hier als Erziehungspraktikant beschäftigt. Schon wenige Wochen nach Dienstantritt hatte ihn die sozialdemokratische Presse im Visier und stellte fest, er sei ein strammer Nazimann. Dass er dies war, belegen bereits die geschilderten Vorgänge. In einer der letzten Ausgaben der Oberweser Volkszeitung, am 1. März 1933, wetterte das sozialdemokratische Blatt noch einmal gegen Timmermann und schrieb: Timmermann ist das leuchtende Beispiel moderner Parteibuchpolitik, die Eigenschaften des neuen Systems sind in seiner Person besonders verkörpert. Als „Reiniger“ zog er in das Wilhelmstift ein und – „arbeitete gut“. Ganze Familien brachte er durch wahrheitswidrige Angaben um Stellung und Verdienst, bei allen Aktionen gegen den nicht nationalsozialistisch eingestellten Teil der Angestelltenschaft „kehrte“ er an erster Stelle. – Dem ist nichts hinzuzufügen.

Personalpolitik im Braunschweigischen

Neue Politik mit neuen Beamten nach dem Ende des Kaiserreichs? In den Jahren 1919 bis 1924, als die SPD in Braunschweig an der Regierung beteiligt war, konnte davon nur in Ansätzen die Rede sein. Das lag u. a. an den engen Grenzen des geltenden Beamtenrechts, am Mangel personeller Ressourcen und teilweise wohl auch an politischer Rücksichtnahme. Eine spektakuläre Personalentscheidung wie im Fall der Einstellung Gotthard Eberleins in Seesen war eher die Ausnahme, nicht die Regel.

Das änderte sich 1925, als die inzwischen ohne Beteiligung der Sozialdemokraten regierende bürgerliche Koalition versuchte, die Entwicklung der letzten Jahre zu beenden und viele in der Zwischenzeit getroffene Entscheidungen wieder aufzuheben. Nun fielen republikanische Beamte – nicht nur Sozialdemokraten, sondern auch Mitglieder der DDP – fast automatisch in Ungnade, wurden auf unwichtige Posten abgeschoben oder gar entlassen.

Das hatte „weit reichende Auswirkungen auf die Haltung der SPD“ in Fragen der Personalpolitik, die sich in der Zeit der sozialdemokratischen Alleinregierung 1927 bis 1930 zeigten. Nun wurde massiv nachgeholt, was bis 1924 nur in Ansätzen durchgeführt worden war: die Besetzung der Dienststellen mit republikanisch gesinnten Beamten. Rother sieht darin mit Recht mehr als nur „Revanchepolitik“ bezüglich der vorhergehenden Regierung: Es war die Erkenntnis, dass politische Entscheidungen nicht ohne Mitwirkung der Verwaltungen, erst recht nicht gegen deren Widerstand, durchgesetzt werden können. Braunschweig sollte zum „sozialdemokratischen Musterland“ werden.

Zwangsläufig auf die Spitze treiben mussten die Nationalsozialisten eine solche Personalpolitik, ist doch eine Diktatur auf Gedeih und Verderb von der (notfalls erzwungenen) Folgsamkeit nicht zuletzt der Verwaltung abhängig. Zugleich ging es unter ihnen bei einigen vielleicht durchaus um persönliche Revanche für erlittene eigene Benachteiligungen aufgrund ihrer politischen Tätigkeit zu Zeiten sozialdemokratischer Regierungen. Bruno Friedrich war, wie bereits geschildert, aus dem Staatsdienst entlassen worden. Wichtiger für die Entwicklung in Braunschweig dürfte die Tatsache gewesen sein, dass der nationalsozialistische Minister für Inneres und Volksbildung Klagges ursprünglich selbst Lehrer gewesen war, sogar Konrektor der Mittelschule in Benneckenstein/Harz. 1930 war er wegen seiner Tätigkeit u. a. als Ortsgruppenleiter aus dem preußischen Schuldienst entfernt worden. In diesem Punkt könnte sein hartes Vorgehen gegen die missliebigen Angestellten in Bevern also zumindest teilweise auf seiner persönliche Geschichte beruht haben.

Aus heutiger Sicht ist es erschreckend, zu sehen, wie selbstverständlich beide politischen Lager Entlassungen Andersdenkender – nach 1968 würde man sagen: „Berufsverbote“ – als Mittel der politischen Auseinandersetzung einsetzten. Auch mit persönlichen Angriffen des Gegners hielten alle Seiten sich leider kaum oder gar nicht zurück. Bei der Verurteilung Friedrichs im erwähnten Beleidigungsprozess berücksichtigte der Richter erschwerend, dass der in den Redewendungen des Angeklagten liegenden groben persönlichen Verunglimpfung des politischen Gegners, noch dazu in dessen Abwesenheit, als Mittel des politischen Meinungskampfes im Interesse der allgemeinen Gesittung Einhalt geboten werden muss. Zugleich stellte er fest, dass ähnliche Ausartungen des politischen Kampfes nahezu in allen Lagern vorgekommen sind und in der Heftigkeit des […] geführten Streites eine gewisse Erklärung finden. Justitia resignierte allmählich …

Wie die beschriebenen Denunziationen in Bevern zeigen, fanden die Nationalsozialisten genügend freiwillige Mitstreiter in ihrem Kampf speziell gegen die Sozialdemokratie. Insofern sei abschließend noch eine Anmerkung zu diesem Thema erlaubt. Denunziation ist in den letzten Jahren zu einem beachteten Forschungsgegenstand geworden, so dass man inzwischen sogar von einer eigenen „Denunziationsforschung“ spricht. Dabei wird die Frage gestellt, ob und in welchem Umfang Denunzianten und ihre Denunziationen für eine diktatorische Herrschaft von Bedeutung sind – sowohl als tatsächlich ausgeführte Tat als auch durch deren bloße Möglichkeit mit der daraus resultierenden Einschüchterung. Lange wurde dieses Thema in der bundesdeutschen „Vergangenheitsbewältigung“ totgeschwiegen, stellt es doch eine gerne verdrängte Frage: „die Frage nach der Mitverantwortung jedes Einzelnen für das Funktionieren des Regimes“!

(c) Matthias Seeliger / Stadtarchiv Holzminden

(Vorstehender Beitrag, basierend auf dem Vortragstext, ist mit Anmerkungen und 4 Abbildungen gedruckt in: Jahrbuch für den Landkreis Holzminden 28/29 (2010/11, S. 71-92)

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